ATLAS DER SPRACHE

AT-144-002 · ATLAS 250

Inklusives und exklusives Wir

Pronominale Unterscheidung danach, ob die angesprochene Person in ›wir‹ eingeschlossen ist oder nicht.

Vertiefung

Viele Sprachen teilen das deutsche und englische Wir in mindestens zwei Formen. Die Unterscheidung macht grammatisch sichtbar, ob die Hörerin oder der Hörer zur bezeichneten Gruppe gehört.

Beispiel

Mandarin zánmen schließt die angesprochene Person ein, wǒmen kann sie ausschließen. Martuthunira unterscheidet zusätzlich ngali ›wir zwei, du eingeschlossen‹, ngaliya ›wir zwei, du ausgeschlossen‹, ngaliwa ›wir mehrere, du eingeschlossen‹ und nganarna ›wir mehrere, du ausgeschlossen‹.

Gegenbeispiel

Wir gehen später kann im Deutschen beide Gruppenbildungen meinen; der Kontext muss entscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Verwandelt Zugehörigkeit von einer stillen Gesprächsannahme in eine grammatisch sichtbare Wahl.

Resonanz

Common Ground erhält eine grammatische Grenze: Gemeinschaft wird mit jedem ›wir‹ neu gezogen.

Etymologie

Mandarin · Martuthunira · sprachvergleichende Passage

Provenienz

Syntax/Grammatik → Sprachtypologie → ATLAS_144

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Inklusives und exklusives Wir“. Atlas der Sprache, AT-144-002. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-144-002

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