ATLAS DER SPRACHE

AT-144-006 · ATLAS 250

Lexikalischer Ton

Nutzung der Tonhöhe zur Unterscheidung von Wörtern oder grammatischen Formen.

Vertiefung

Alle Sprachen verwenden Tonhöhe, aber nicht alle machen sie zu einem Bestandteil der Wortidentität. In Tonsprachen kann dieselbe Segmentfolge mit anderer Tonhöhe ein anderes Wort bilden.

Beispiel

Yoruba unterscheidet /bí/ ›gebären‹, /bī/ ›fragen‹ und /bì/ ›erbrechen‹ durch Hoch-, Mittel- und Tiefton. Thai kann die Silbenform /kʰaa/ mit fünf Tönen fünf verschiedenen Wörtern oder Funktionen zuordnen.

Gegenbeispiel

Die steigende Tonhöhe einer deutschen Entscheidungsfrage gehört zur Intonation und erzeugt nicht automatisch ein neues Lexem.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Macht Melodie zu lexikalischer Struktur: Hören muss Tonhöhe und Lautfolge gleichzeitig kategorisieren.

Resonanz

Klang und Bedeutung werden an einer feineren Schwelle miteinander verkoppelt.

Etymologie

Yoruba · Thai · sprachvergleichende Passage

Provenienz

Klang/Phonetik/Phonologie → Sprachtypologie → ATLAS_144

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Lexikalischer Ton“. Atlas der Sprache, AT-144-006. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-144-006

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-144-006

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