ATLAS DER SPRACHE

AT-NAR-0001 · ATLAS 251

Unzuverlässiges Erzählen

Erzählweise, bei der die Darstellung der Erzählinstanz begründet als fragwürdig erscheint.

Vertiefung

Widersprüche, Wissensgrenzen, Interessen oder Wertungen schaffen Abstand zwischen Erzählstimme und erschließbarer Textnorm. Unzuverlässigkeit ist graduell und interpretationsabhängig.

Beispiel

Der Erzähler bestreitet etwas, das seine eigene Schilderung nahelegt.

Gegenbeispiel

Eine Figur irrt, während eine verlässliche Erzählinstanz dies klar markiert.

Abgrenzung

Begrenzte Perspektive: Wissensmangel allein macht eine Erzählinstanz nicht automatisch unzuverlässig.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Macht Leser zu Ermittlern und trennt Erzählen von Wahrheit; schärft Aufmerksamkeit für Perspektive und Interesse.

Resonanz

Zwischen erzählter Stimme und erschlossener Welt entsteht eine produktive Dissonanz.

Etymologie

deutsche Übersetzung von engl. unreliable narration

Provenienz

Booth → narratologische Typologien → kognitive Narratologie

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Unzuverlässiges Erzählen“. Atlas der Sprache, AT-NAR-0001. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAR-0001

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