Vertiefung
Widersprüche, Wissensgrenzen, Interessen oder Wertungen schaffen Abstand zwischen Erzählstimme und erschließbarer Textnorm. Unzuverlässigkeit ist graduell und interpretationsabhängig.
Beispiel
Der Erzähler bestreitet etwas, das seine eigene Schilderung nahelegt.
Gegenbeispiel
Eine Figur irrt, während eine verlässliche Erzählinstanz dies klar markiert.
Abgrenzung
Begrenzte Perspektive: Wissensmangel allein macht eine Erzählinstanz nicht automatisch unzuverlässig.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Macht Leser zu Ermittlern und trennt Erzählen von Wahrheit; schärft Aufmerksamkeit für Perspektive und Interesse.
Resonanz
Zwischen erzählter Stimme und erschlossener Welt entsteht eine produktive Dissonanz.
Etymologie
deutsche Übersetzung von engl. unreliable narration
Provenienz
Booth → narratologische Typologien → kognitive Narratologie
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Unzuverlässiges Erzählen“. Atlas der Sprache, AT-NAR-0001. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAR-0001Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.