ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-037 · ATLAS 259

Dissimilation

Dissimilation ist eine Verringerung der Ähnlichkeit zwischen Lauten in einem relevanten phonologischen Zusammenhang.

Teil des Themenwegs Klang, Phonetik und Phonologie

Warum dieser Begriff im Atlas?

E · Exemplarischer Fall R3 · Begründeter exemplarischer Fall

Dissimilation zeigt exemplarisch die Verringerung von Lautähnlichkeit und ergänzt die gegengerichtete Assimilation. Historischer Wandel und synchrone Alternation sind am konkreten Beleg auseinanderzuhalten.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Dissimilation bezeichnet eine Veränderung, durch die Laute in einer relevanten Eigenschaft weniger ähnlich werden. Die beteiligten Segmente können benachbart sein oder weiter auseinanderliegen. Eine historische Veränderung zwischen Sprachstufen ist von einem produktiven Muster im heutigen Sprachsystem zu unterscheiden. Im Bezug zur Haplologie muss zusätzlich gefragt werden, was sich verändert: Ein Laut kann ein Merkmal wechseln, während Haplologie eine ähnliche Silbe aus einer Folge entfallen lässt. Ähnlichkeitsvermeidung verbindet mögliche Beschreibungen, ersetzt aber nicht die Analyse des jeweiligen Prozesses.

Denkbewegung

1. Die verglichenen Segmente bestimmen. 2. Das relevante Merkmal angeben. 3. Ausgangs- und Zielform vergleichen. 4. Lautveränderung und Silbentilgung getrennt prüfen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine historische Untersuchung könnte datierte Varianten oder ein synchrones Experiment kontrollierte lautliche Umgebungen vergleichen; die beiden Evidenzarten bleiben getrennt.

Beispiel

Im konstruierten Schema /r…r/ → /l…r/ werden zwei gleiche Liquide hinsichtlich ihrer Artikulationsart ungleicher. Das Schema ist kein Beleg für eine bestimmte Sprache.

Gegenbeispiel

Eine zufällige Verschiedenheit zweier Laute ist noch keine Dissimilation. Dafür braucht es einen begründeten Zusammenhang zwischen Ausgangsform, Kontext und Veränderung.

Abgrenzung

Von Assimilation, Metathese und beliebiger Tilgung unterscheiden. Die Einordnung einer Haplologie als dissimilatorisch verlangt eine ausdrückliche Analyse.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff ermöglicht eine präzise Beschreibung von Unähnlicherwerden im Lautsystem.

Resonanz

Ein Laut gewinnt Abstand von seinem Nachbarn, ohne den Zusammenhang zu verlassen.

Provenienz

Crystal beschreibt die Prozessbegriffe; Campbell behandelt lautgeschichtliche Nachweisführung. Die Haplologiezuordnung bleibt als mögliche typologische Einordnung kenntlich, nicht als Identität aller Prozesse. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Dissimilation“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-037. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-037

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-037

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.