Vertiefung
Ein Skript bezeichnet hier ein Wissensschema für eine typische Folge von Ereignissen. Es enthält erwartbare Rollen, Handlungen und Übergänge und kann helfen, im Text nicht ausdrücklich genannte Zusammenhänge zu erschließen. Im Anschluss an Frame-Semantik wird die zeitliche Organisation betont, ohne Frames und Skripte als völlig getrennte Welten darzustellen. Skripte sind erfahrungs- und kulturabhängig; tatsächliche Abläufe können sie verändern oder durchbrechen. Eine schematische Erwartung ist deshalb weder eine zwingende Regel noch ein Beweis dafür, dass ein ausgelassener Schritt wirklich stattgefunden hat.
Denkbewegung
1. Situation bestimmen. 2. Erwartete Rollen erfassen. 3. Typische Schritte ordnen. 4. Textlücken von Belegen trennen. 5. Abweichungen erklären.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Verstehensforschung kann prüfen, welche nicht genannten Ereignisse Leser ergänzen.
Beispiel
Wer liest, dass jemand im Café bestellt und später bezahlt, kann einen dazwischenliegenden Konsum erschließen, ohne ihn ausdrücklich erzählt zu bekommen.
Gegenbeispiel
Eine Bestellung beweist nicht, dass das bestellte Getränk geliefert wurde.
Abgrenzung
Ereignisskript von Software, Drehbuch, verpflichtender Vorschrift und sicherer Tatsachenfolge unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Skripte können das Verstehen erleichtern, aber auch voreilige Ergänzungen begünstigen.
Resonanz
Eine Geschichte kann auf Schritte bauen, die sie nicht ausspricht.
Provenienz
Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.
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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Skript“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-007. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-007Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.