ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-024 · ATLAS 259

Tempus

Tempus ist eine grammatische Kategorie zur zeitlichen Einordnung von Situationen gegenüber einem Bezugspunkt.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Tempus liefert die Grundlage für grammatische Zeitverankerung und ihren Vergleich mit Aspekt und Erzählreihenfolge. Zeitbezug einer Äußerung ist nicht überall allein durch eine Verbform bestimmt.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Tempus ist eine grammatische Kategorie zur zeitlichen Einordnung von Situationen gegenüber einem Bezugspunkt. Dieser ist häufig die Sprechzeit, kann aber in relativen Tempusbeziehungen selbst durch den Kontext bestimmt sein. Zeitadverbien und Weltwissen wirken an der Interpretation mit, sind jedoch nicht mit Tempus identisch. Im Vergleich zu Aspekt und Aktionsart ist die Perspektive wichtig: Zeitliche Lokalisierung unterscheidet sich von der Darstellung des Ereignisverlaufs und von lexikalischen Ereigniseigenschaften. Eine Tempusform legt außerdem nicht in jedem Gebrauch genau dieselbe reale Zeitlage fest, etwa beim historischen Präsens. Form, Grundfunktion und Kontextgebrauch müssen gemeinsam betrachtet werden.

Denkbewegung

1. Tempusform identifizieren. 2. Bezugspunkt bestimmen. 3. Zeitangaben einbeziehen. 4. Aspektuelle Information trennen. 5. Besondere Kontextverwendungen prüfen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Textanalyse kann Wechsel zwischen Erzählzeitbezügen und grammatischen Formen untersuchen.

Beispiel

„Morgen fahre ich“ verbindet eine deutsche Präsensform mit einem durch „morgen“ bestimmten Zukunftsbezug.

Gegenbeispiel

Ein Zukunftsadverb ist nicht selbst eine grammatische Tempusendung.

Abgrenzung

Tempus von Zeit schlechthin, Aspekt, Aktionsart und einzelnen Zeitadverbien unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Tempus verankert Ereignisdarstellungen in zeitlichen Beziehungen.

Resonanz

Grammatische Gegenwart muss nicht die Uhrzeit des Erzählens sein.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Tempus“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-024. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-024

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-024

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