Vertiefung
Eine Wortform ist eine grammatische Realisierungsform eines Lexems. Bei flektierenden Lexemen gehört sie zu einem Paradigma und kann bestimmte grammatische Merkmale ausdrücken. Auch unflektierbare Lexeme besitzen Wortformen; Flexion ist also keine Voraussetzung für den Begriff. Im Lemma-Kontext ist außerdem zwischen der gewählten Wörterbuchform und anderen Formen desselben Lexems zu unterscheiden. Derselbe Formtyp kann mehrfach im Text vorkommen, und eine sichtbare Form kann mehrere grammatische Analysen zulassen. Daher fallen Wortform, einzelnes Vorkommen und eindeutig bestimmtes Merkmalsbündel nicht notwendig zusammen.
Denkbewegung
1. Lexem bestimmen. 2. Form im Kontext erfassen. 3. Grammatische Merkmale prüfen. 4. Formtyp und Vorkommen trennen. 5. Lemmafunktion gesondert angeben.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Lexikografie und Korpusannotation können Lemma, Form und grammatische Analyse getrennt speichern.
Beispiel
„Geht“ und „ging“ sind verschiedene Formen des Lexems „gehen“; zweimaliges „geht“ im Text ergibt zwei Vorkommen desselben Formtyps.
Gegenbeispiel
Ein unveränderliches Adverb hat nicht deshalb keine Wortform, weil es keine Flexionsreihe bildet.
Abgrenzung
Wortform von Lexem, Lemma, Token und bloßer orthografischer Variante unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Wortformen verbinden lexikalische Identität mit grammatischer Realisierung.
Resonanz
Ein Eintrag kann in mehreren Gestalten im Text erscheinen.
Provenienz
Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Wortform“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-047. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-047Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.