ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-047 · ATLAS 259

Wortform

Eine Wortform ist eine grammatische Realisierungsform eines Lexems.

Teil des Themenwegs Morphologie und Wortbildung

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Wortform ist nötig, um realisierte grammatische Varianten von Lexem und Wörterbuchansatz zu unterscheiden. Identische sichtbare Formen können unterschiedliche grammatische Realisierungen darstellen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Eine Wortform ist eine grammatische Realisierungsform eines Lexems. Bei flektierenden Lexemen gehört sie zu einem Paradigma und kann bestimmte grammatische Merkmale ausdrücken. Auch unflektierbare Lexeme besitzen Wortformen; Flexion ist also keine Voraussetzung für den Begriff. Im Lemma-Kontext ist außerdem zwischen der gewählten Wörterbuchform und anderen Formen desselben Lexems zu unterscheiden. Derselbe Formtyp kann mehrfach im Text vorkommen, und eine sichtbare Form kann mehrere grammatische Analysen zulassen. Daher fallen Wortform, einzelnes Vorkommen und eindeutig bestimmtes Merkmalsbündel nicht notwendig zusammen.

Denkbewegung

1. Lexem bestimmen. 2. Form im Kontext erfassen. 3. Grammatische Merkmale prüfen. 4. Formtyp und Vorkommen trennen. 5. Lemmafunktion gesondert angeben.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Lexikografie und Korpusannotation können Lemma, Form und grammatische Analyse getrennt speichern.

Beispiel

„Geht“ und „ging“ sind verschiedene Formen des Lexems „gehen“; zweimaliges „geht“ im Text ergibt zwei Vorkommen desselben Formtyps.

Gegenbeispiel

Ein unveränderliches Adverb hat nicht deshalb keine Wortform, weil es keine Flexionsreihe bildet.

Abgrenzung

Wortform von Lexem, Lemma, Token und bloßer orthografischer Variante unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Wortformen verbinden lexikalische Identität mit grammatischer Realisierung.

Resonanz

Ein Eintrag kann in mehreren Gestalten im Text erscheinen.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Wortform“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-047. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-047

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-047

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