ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-206-001 · ATLAS 250

Apodeixis

Bestätigung einer Behauptung durch Rückgriff auf allgemein anerkannte Erfahrung, gemeinsames Wissen oder einen als gewiss vorausgesetzten Grundsatz.

Vertiefung

Apodeixis verbindet eine strittige Aussage mit einem bereits geteilten Wissensboden. Ein Glied kann unausgesprochen bleiben, weil das Publikum es ergänzt. Gerade darin liegt ihre Stärke und ihr Risiko: Was als allgemein bekannt erscheint, kann nur gruppenspezifisch, historisch oder unzutreffend sein.

Beispiel

Wer eine Suchfunktion benutzt, erwartet, dass verschiedene Schreibweisen desselben Begriffs auffindbar bleiben; deshalb werden Apodeixis und Apodixis als Suchformen verbunden.

Gegenbeispiel

Diese Schreibweisen müssen verbunden werden, weil ich das sinnvoll finde. – Die Behauptung wird nicht an einen geteilten Erfahrungs- oder Wissensgrund angeschlossen.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Verdichtet Argumentation durch geteilte Voraussetzungen und macht zugleich sichtbar, wo ein vermeintlicher Konsens geprüft werden muss.

Resonanz

Eine neue Aussage setzt auf einem bereits tragenden Boden auf; der Boden schwingt mit, obwohl er nicht vollständig ausgesprochen wird.

Etymologie

griechisch apódeixis · Aufzeigen, Beweis, Demonstration

Provenienz

Klassische Rhetorik → historische Handbücher und Primärtexte → Funktionsabgrenzung → ATLAS_206

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Apodeixis“. Atlas der Sprache, AT-RHE-206-001. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-206-001

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