Vertiefung
Energeia bezeichnet nicht primär eine vor dem inneren Auge erscheinende Szene, sondern die Kraft, Spannung und Bewegungsenergie des Ausdrucks selbst. Historisch überschneidet sich die Benennung mit Enargia; für den Atlas bleibt die produktive Unterscheidung sichtbar: Energeia fragt nach sprachlichem Antrieb, Enargia nach anschaulicher Gegenwärtigkeit.
Beispiel
Der Satz setzt an, spannt sich, stößt die Einwände beiseite und trägt den Gedanken bis in die Entscheidung.
Gegenbeispiel
Der Satz enthält vier Verben. – Eine bloße formale Eigenschaft belegt noch keine wahrnehmbare Ausdruckskraft.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Lenkt Aufmerksamkeit von der bloßen Aussage auf die Art, wie sprachliche Bewegung Aufmerksamkeit, Affekt und Handlungsmöglichkeit mobilisiert.
Resonanz
Nicht das Bild allein, sondern der Impuls der Rede gerät in Schwingung und trägt den Gedanken über seine Wörter hinaus.
Etymologie
griechisch enérgeia · Tätigkeit, Wirksamkeit, Kraft
Provenienz
Klassische Rhetorik → historische Glossare und Handbücher → Funktionsabgrenzung → ATLAS_207
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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Energeia“. Atlas der Sprache, AT-RHE-207-001. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-207-001Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.