ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-207-001 · ATLAS 250

Energeia

Vigor und wirksame Bewegtheit des Ausdrucks, durch die Sprache als kraftvoll, tätig und lebendig erfahren wird.

Vertiefung

Energeia bezeichnet nicht primär eine vor dem inneren Auge erscheinende Szene, sondern die Kraft, Spannung und Bewegungsenergie des Ausdrucks selbst. Historisch überschneidet sich die Benennung mit Enargia; für den Atlas bleibt die produktive Unterscheidung sichtbar: Energeia fragt nach sprachlichem Antrieb, Enargia nach anschaulicher Gegenwärtigkeit.

Beispiel

Der Satz setzt an, spannt sich, stößt die Einwände beiseite und trägt den Gedanken bis in die Entscheidung.

Gegenbeispiel

Der Satz enthält vier Verben. – Eine bloße formale Eigenschaft belegt noch keine wahrnehmbare Ausdruckskraft.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Lenkt Aufmerksamkeit von der bloßen Aussage auf die Art, wie sprachliche Bewegung Aufmerksamkeit, Affekt und Handlungsmöglichkeit mobilisiert.

Resonanz

Nicht das Bild allein, sondern der Impuls der Rede gerät in Schwingung und trägt den Gedanken über seine Wörter hinaus.

Etymologie

griechisch enérgeia · Tätigkeit, Wirksamkeit, Kraft

Provenienz

Klassische Rhetorik → historische Glossare und Handbücher → Funktionsabgrenzung → ATLAS_207

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Energeia“. Atlas der Sprache, AT-RHE-207-001. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-207-001

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