Vertiefung
Prosopographia macht eine Person zunächst über sichtbare Züge präsent: Gesicht, Haltung, Kleidung oder einzelne kennzeichnende Merkmale werden zu einer wahrnehmbaren Gestalt geordnet. Äußeres kann dabei Charakter vermuten lassen, doch die Figur beschreibt nicht schon die innere Haltung oder die Redeweise der Person.
Beispiel
Unter den schweren Brauen blieben die Augen hell und wach; der zu große Mantel ließ den schmalen Körper beinahe verschwinden.
Gegenbeispiel
Sie war mutig und gerecht. – Das charakterisiert innere Eigenschaften, beschreibt aber kein äußeres Erscheinungsbild.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Zeigt, wie Auswahl sichtbarer Merkmale eine Person im Vorstellungsraum entstehen lässt und dabei bereits Deutungen nahelegt.
Resonanz
Einzelne sichtbare Züge stimmen sich zu einer Personengestalt, deren Anwesenheit über die Beschreibung hinaus spürbar wird.
Etymologie
griechisch prósōpon · Gesicht, Person + graphía · Beschreibung
Provenienz
Klassische Rhetorik → historische Glossare und Handbücher → Funktionsabgrenzung → ATLAS_207
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Prosopographia“. Atlas der Sprache, AT-RHE-207-003. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-207-003Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.