ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-207-003 · ATLAS 250

Prosopographia

Anschauliche Darstellung des Gesichts und äußeren Erscheinungsbildes einer wirklichen, erfundenen, lebenden oder verstorbenen Person.

Vertiefung

Prosopographia macht eine Person zunächst über sichtbare Züge präsent: Gesicht, Haltung, Kleidung oder einzelne kennzeichnende Merkmale werden zu einer wahrnehmbaren Gestalt geordnet. Äußeres kann dabei Charakter vermuten lassen, doch die Figur beschreibt nicht schon die innere Haltung oder die Redeweise der Person.

Beispiel

Unter den schweren Brauen blieben die Augen hell und wach; der zu große Mantel ließ den schmalen Körper beinahe verschwinden.

Gegenbeispiel

Sie war mutig und gerecht. – Das charakterisiert innere Eigenschaften, beschreibt aber kein äußeres Erscheinungsbild.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Zeigt, wie Auswahl sichtbarer Merkmale eine Person im Vorstellungsraum entstehen lässt und dabei bereits Deutungen nahelegt.

Resonanz

Einzelne sichtbare Züge stimmen sich zu einer Personengestalt, deren Anwesenheit über die Beschreibung hinaus spürbar wird.

Etymologie

griechisch prósōpon · Gesicht, Person + graphía · Beschreibung

Provenienz

Klassische Rhetorik → historische Glossare und Handbücher → Funktionsabgrenzung → ATLAS_207

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Prosopographia“. Atlas der Sprache, AT-RHE-207-003. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-207-003

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