ATLAS DER SPRACHE

AT-TRA-0001 · ATLAS 251

Unübersetzbarkeit

Fehlen einer verlustfreien, form- und funktionsgleichen Entsprechung in einer Zielsprache.

Vertiefung

Unübersetzbarkeit ist meist graduell: Bedeutung kann paraphrasiert werden, während Klang, Konnotation, Grammatik, kulturelles Wissen oder Wortspiel nicht gleichzeitig erhalten bleiben.

Beispiel

Das deutsche „doch“ verlangt je nach Kontext verschiedene englische Lösungen.

Gegenbeispiel

Haus → house in einem neutralen Sachkontext

Abgrenzung

Lexikalische Lücke: Diese bezeichnet fehlende einfache Benennung, nicht jede Übersetzungsgrenze.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Macht sichtbar, dass Sprachen Aufmerksamkeit und Erfahrung unterschiedlich bündeln, ohne Verständigung unmöglich zu machen.

Resonanz

Beim Übergang bleiben manche Obertöne zurück, andere entstehen neu.

Etymologie

deutsche Negativbildung zu übersetzen

Provenienz

Bibel- und Humanistenübersetzung → Humboldt → moderne Translationswissenschaft

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Unübersetzbarkeit“. Atlas der Sprache, AT-TRA-0001. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-TRA-0001

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