ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G01-006

Stilbruch

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Ein Stilbruch verletzt eine im Text oder in der Situation aufgebaute stilistische Erwartung. Er kann absichtlich eingesetzt werden oder unbeabsichtigt entstehen. Im Verweis aus Bathos ist der plötzliche Abstieg der Stilhöhe gemeint; andere Bruchrichtungen bleiben möglich.

Denkbewegung

1. Erwarteten Ton bestimmen. 2. Abweichende Stelle lokalisieren. 3. Art des Registerwechsels benennen. 4. Absicht nicht allein aus dem Bruch ableiten. 5. Wirkung am konkreten Text prüfen.

Beispiel

»O Stern der unvergänglichen Hoffnung – jetzt ist der Akku leer.« Der Alltagston durchbricht den erhabenen Beginn.

Gegenprobe

Ein durchgehend umgangssprachlicher Text hat nicht schon deshalb einen Stilbruch.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Stilanalysen können die Bezugsnorm, lokale Abweichung und mögliche komische Wirkung trennen.

Wirkung

Der Bruch kann Aufmerksamkeit, Komik oder Irritation erzeugen.

Resonanz

Ein neuer Ton lässt den vorigen rückwirkend anders hören.

Abgrenzung

Von bloßer Fehlerhaftigkeit, Sprachwechsel und Bathos unterscheiden; nicht jeder Stilbruch ist ein Abstieg.

Quellen