ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G02-016

Atem

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Atem bezeichnet hier die Atmung als körperliche Bedingung und Mitgestaltung gesprochenen Rhythmus. Atemzüge können mit prosodischen oder syntaktischen Grenzen zusammenfallen, doch diese Ebenen sind nicht deckungsgleich. Untersuchungen unterscheiden insbesondere Vorlesen und spontanes Sprechen; auch das Tempo verändert mögliche Koordinationen. Eine hörbare Pause ist deshalb nicht automatisch ein Einatmen, und ein Satz muss nicht genau einem Atemzug entsprechen. Für den Rhythmusverweis wird gefragt, wie Atemereignisse, Gliederung und Fortsetzung in einer konkreten Aufnahme zusammenwirken.

Denkbewegung

1. Eine Aufnahme zeitlich gliedern. 2. Atemereignisse möglichst direkt erfassen. 3. Prosodische und syntaktische Grenzen getrennt markieren. 4. Aufgabe und Sprechtempo berücksichtigen.

Beispiel

Konstruiert: Eine Sprecherin liest zwei kurze Sätze auf einem Atemzug und atmet innerhalb eines längeren Satzes an einer Phrasengrenze ein.

Gegenprobe

Ein Komma im geschriebenen Text beweist keinen Atemzug in der Aufführung. Eine Pause kann auch der Planung oder Hervorhebung dienen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Untersuchung könnte Audiodaten mit Atemmessungen synchronisieren und Vorlesen mit freiem Erzählen vergleichen.

Wirkung

Die Koordination kann die zeitliche Gliederung einer Äußerung mitprägen, ohne sie vollständig festzulegen.

Resonanz

Der Satz hat eine Form; der Körper gibt ihm Zeit und Luft.

Abgrenzung

Physiologische Atmung, Pause, Intonationsphrase und Versfuß unterscheiden.

Quellen