Kontexterklärung · NAV-G02-029
Default
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Default bezeichnet eine Ausgangsannahme, die gilt, solange kein besonderer Grund eine andere Behandlung verlangt. Der Ausdruck erfüllt in den beiden Herkunftskontexten verschiedene Aufgaben. Bei Markiertheit geht es um den jeweils angesetzten Normal- oder Ausgangsfall einer sprachlichen Opposition; daraus folgt noch keine logische Regel. Beim defeasiblen Schließen wird aus vorhandenen Informationen vorläufig gefolgert, wobei neue Informationen die Folgerung aufheben können. Die Gemeinsamkeit ist die Rolle eines Ausgangspunkts, nicht ein einheitlicher technischer Mechanismus.
Denkbewegung
1. Den Verwendungskontext feststellen. 2. Die Ausgangsannahme explizieren. 3. Abweichungsbedingungen benennen. 4. Prüfen, ob eine Klassifikation oder ein Schluss revidiert wird.
Beispiel
Im erfundenen Archiv gilt: An Werktagen ist geöffnet, sofern keine Schließung angekündigt ist. Die Ankündigung einer Renovierung hebt die Öffnungsannahme auf.
Gegenprobe
Eine häufige Wortform ist allein durch ihre Häufigkeit weder in jedem Sinn unmarkiert noch Grundlage einer gültigen Schlussregel.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Eine Analyse kann Default-Regeln samt Ausnahmen dokumentieren und getrennt davon Kriterien sprachlicher Markiertheit ausweisen.
Wirkung
Die Unterscheidung verhindert, dass ein gewohnter Ausgangspunkt als ausnahmslose Wahrheit behandelt wird.
Resonanz
Ein Ausgangspunkt gibt Richtung, ohne den nächsten Schritt schon festzuschreiben.
Abgrenzung
Von statistischer Mehrheit, Normvorschrift und strikter Implikation unterscheiden. Sprachlicher Default und Default-Logik brauchen getrennte Definitionen.
Quellen
- IDS grammis: Markiertheit
Definition and examples75–80
documented-source-register - SEP: Non-monotonic Logic
Introduction and §1
documented-source-register - Martin Haspelmath (2006): Against markedness (and what to replace it with)
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