ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G02-049

Exotisierung

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Exotisierung ist im vorliegenden Verweis ein klärungsbedürftiges Herkunftslabel. Der Atlas besitzt bereits das Profil Exotisierung (Übersetzung), englisch Foreignisation, auf das dieser Kontext verweist. Differenzbetonendes Übersetzen kann Merkmale des Ausgangstexts sichtbar halten, die in vertrauten Zielkonventionen sonst verschwänden. Davon ist ein Verfahren zu unterscheiden, das Fremdheit als oberflächliche oder stereotype Besonderheit produziert. Die Terminologie ist in der Forschung uneinheitlich. Ein einzelnes erhaltenes Fremdwort belegt daher weder eine durchgehende Übersetzungsstrategie noch einen bestimmten Effekt auf das Publikum.

Denkbewegung

1. Den gemeinten Gebrauch des Labels bestimmen. 2. Konkrete Übersetzungsentscheidungen vergleichen. 3. Ihre Funktion im Gesamttext prüfen. 4. Stereotypisierung und Publikumswirkung gesondert untersuchen.

Beispiel

In einem konstruierten Vergleich bewahrt eine Übersetzung einen Ortsnamen und erläutert ihn knapp. Diese Einzelentscheidung allein beweist keine foreignisierende Gesamtstrategie.

Gegenprobe

Ein Text mit vielen fremden Namen kann dennoch vertraute Stereotype bedienen. Sichtbare Fremdheit ist kein automatischer Nachweis kultureller Offenheit.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Übersetzungsanalyse könnte lokale Verfahren, textweite Orientierung und Rezeptionsdaten getrennt dokumentieren.

Wirkung

Die Kontextklärung verhindert vorschnelle Wertungen aufgrund einzelner auffälliger Wörter.

Resonanz

Das Fremde kann erkennbar bleiben, ohne zur Kulisse für das Eigene zu werden.

Abgrenzung

Foreignisation und exoticisation nicht pauschal gleichsetzen. Der hier erläuterte Übersetzungskontext betrifft differenzbetonendes Übersetzen.

Quellen