ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G03-017

Grenze

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Eine Grenze bestimmt hier, unter welchen Bedingungen ein Ausdruck noch oder schon anwendbar ist. Beim Sorites entsteht das Problem, dass kleine Änderungen jeweils unbedeutend erscheinen, ihre lange Folge aber klare Ausgangs- und Endfälle verbindet. Der Eintrag setzt nicht voraus, dass es eine unbekannte scharfe Schwelle geben muss. Ebenso wenig erklärt er jede Grenze für beliebig. Unterschiedliche Theorien verstehen Grenzfälle verschieden. Die Denkbewegung hält deshalb Anwendungspraxis, Wissen über Grenzen und philosophische Annahmen auseinander.

Denkbewegung

1. Klare Anwendungsfälle werden gesammelt. 2. Eine Folge kleiner Veränderungen wird gebildet. 3. Unklare Zwischenfälle werden benannt. 4. Wissensproblem und Bedeutungsproblem werden getrennt. 5. Eine Erklärung wird samt Voraussetzungen ausgewiesen.

Beispiel

Bei einem Farbverlauf von deutlich blau zu deutlich grün kann jede Nachbarprobe sehr ähnlich aussehen, obwohl die Endpunkte klar verschieden benannt werden.

Gegenprobe

Eine bewusst festgelegte technische Schwelle beweist nicht, dass derselbe Ausdruck im Alltag dieselbe Grenze besitzt.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Urteilsstudien können Kontext, Vergleichsmenge und Reihenfolge variieren, ohne ihre Ergebnisse unmittelbar als Lösung des Sorites auszugeben.

Wirkung

Grenzfälle zeigen die Reichweite und Grenzen unserer Einteilungen.

Resonanz

Zwischen klaren Polen kann Sprache zögern, ohne ihren ganzen orientierenden Wert zu verlieren.

Abgrenzung

Vagheit von Mehrdeutigkeit, Messungenauigkeit und ausdrücklich vereinbarter Klassifikation unterscheiden.

Quellen