Kontexterklärung · NAV-G04-003
Können
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Können bezeichnet im Zusammenhang mit implizitem Wissen eine Fähigkeit, die sich im Handeln zeigen kann. Wer eine Tätigkeit zuverlässig ausführt, muss ihre Regeln nicht vollständig sprachlich darstellen können. Daraus folgt jedoch weder, dass jede erfolgreiche Einzelhandlung eine stabile Fähigkeit beweist, noch dass jede Fähigkeit ohne ausdrücklich erworbenes Wissen entsteht. Gelegenheit, Hilfsmittel und situative Bedingungen beeinflussen die beobachtete Leistung. Die philosophische Frage nach dem Verhältnis von Wissen-wie und Wissen-dass bleibt deshalb von der einfachen Beobachtung zu unterscheiden, dass jemand etwas zustande bringt. Der Eintrag öffnet diese Frage, ohne sie durch eine starre Trennung von Theorie und Praxis vorzuentscheiden.
Denkbewegung
1. Eine Tätigkeit wird genauer bestimmt. 2. Wiederholte Leistungen werden beobachtet. 3. Bedingungen und Hilfsmittel werden erfasst. 4. Verbale Erklärbarkeit wird getrennt geprüft. 5. Alternative Erklärungen des Erfolgs werden verglichen.
Beispiel
Eine geübte Radfahrerin hält das Gleichgewicht, ohne jede Korrekturbewegung erläutern zu können.
Gegenprobe
Ein zufälliger Treffer beim ersten Versuch belegt keine zuverlässige Fähigkeit; ein misslungener Versuch unter ungewohnten Bedingungen widerlegt sie ebenfalls nicht automatisch.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Lernforschung kann Leistungsstabilität und explizites Regelwissen getrennt über die Zeit verfolgen.
Wirkung
Können lenkt Aufmerksamkeit auf Wissen, das im Vollzug zugänglich wird.
Resonanz
Eine Handlung kann genauer sein als die Erklärung, die wir für sie finden.
Abgrenzung
Fähigkeit von Gelegenheit, Einzelerfolg, Gewohnheit und vollständiger Theorie des Wissen-wie unterscheiden.
Quellen
- EN:sep-knowing-howdocumented-source-register