ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G04-007

Metazeichen

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Metazeichen bezeichnet hier ein Zeichen, das andere Zeichen, deren Verwendung oder Bedeutung zum Gegenstand macht. Die Bezeichnung wird kontextbezogen verwendet, ohne eine einheitliche Kategorie aller semiotischen Schulen vorauszusetzen. Eine zusätzliche Botschaft ist für sich genommen noch keine Metabeziehung: Die Anfangsbuchstaben eines Akrostichons können einen Namen ergeben, ohne etwas über Zeichen auszusagen. Erst ein Bezug auf das Zeichenverfahren oder seinen Gebrauch begründet in diesem engeren Sinn die Metaebene. Für die Analyse sind daher Trägertext, Auswahlregel, zusätzliche Botschaft und Aussage über Zeichen getrennt zu bestimmen.

Denkbewegung

1. Die primäre Zeichenfolge wird bestimmt. 2. Eine zusätzliche Leseregel wird geprüft. 3. Eine zweite Botschaft wird von einer Aussage über Zeichen getrennt. 4. Der konkrete Metabezug wird begründet. 5. Bloße Zusatzcodierung wird als Gegenprobe geprüft.

Beispiel

Die Zeilenanfänge „Lange … / Immer … / Nun … / Ach …“ ergeben LINA. Die Aussage „LINA wird hier durch Anfangsbuchstaben gebildet“ beschreibt dieses Zeichenverfahren; der Name allein tut dies nicht.

Gegenprobe

Eine auffällige Schriftfarbe oder eine versteckte Botschaft bildet ohne erkennbaren Bezug auf Zeichen noch kein Metazeichen im hier verwendeten Sinn.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Semiotische Analyse kann Trägertext, Auswahlregel und metasprachlichen Kommentar getrennt dokumentieren.

Wirkung

Der Kontextbegriff macht den Bezug von Zeichen auf Zeichen sichtbar.

Resonanz

Ein Text kann sprechen und zugleich zeigen, wie seine Zeichen arbeiten.

Abgrenzung

Metabezug von Zusatzcodierung, bloßer Gestaltung und einer universellen Metazeichentheorie unterscheiden.

Quellen