ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G04-035

Prädikat

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Prädikat bezeichnet je nach Theorie unterschiedliche, aufeinander bezogene Analysegegenstände. In der Grammatik kann damit der verbale Kern oder eine größere Einheit gemeint sein, die über ein Subjekt etwas aussagt. In der Logik bezeichnet ein Prädikat eine offene Struktur, die durch geeignete Argumente zu einer wahrheitsfähigen Aussage ergänzt werden kann. Diese Perspektiven dürfen nicht einfach ineinander übersetzt werden. Im Serialverbkontext ist zu prüfen, ob mehrere Verben gemeinsam eine Prädikation bilden; ihre Anzahl entscheidet die Frage nicht allein. Der Herkunftsbezug zum peirceschen Rhema betrifft wiederum einen Zeichentyp und nicht automatisch die grammatische Satzfunktion gleichen oder ähnlichen Namens.

Denkbewegung

1. Die verwendete Prädikatdefinition wird genannt. 2. Verbformen und Argumente werden bestimmt. 3. Die Einheit der Prädikation wird geprüft. 4. Grammatische und logische Analyse werden getrennt dargestellt. 5. Der semiotische Anschluss wird ausdrücklich begrenzt.

Beispiel

„Mira gibt Nils ein Buch“ kann logisch als Relation zwischen drei Beteiligten beschrieben werden; die grammatische Analyse entscheidet gesondert über den Umfang des Prädikats.

Gegenprobe

Zwei Verben in einer Folge beweisen weder zwei selbstständige Aussagen noch automatisch ein einziges Serialverbprädikat.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Syntaktische Arbeit kann Argumentstruktur, Negationsbereich und zeitliche Interpretation gemeinsam zur Analyse heranziehen.

Wirkung

Die Unterscheidung macht sichtbar, welche Einheit eine Zuschreibung organisiert.

Resonanz

Ein Satz wird zur Beziehung, wenn er nicht nur benennt, sondern etwas von etwas aussagt.

Abgrenzung

Grammatisches Prädikat, logisches Prädikat, einzelnes Verb und peircesches Rhema unterscheiden.

Quellen