Kontexterklärung · NAV-G04-039
Quelle
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Quelle bezeichnet hier den Ursprung oder Übermittlungsweg einer Information. Diese beiden Rollen müssen auseinandergehalten werden: Wer eine Behauptung weitergibt, hat das behauptete Ereignis nicht notwendig selbst beobachtet. Auch mehrere Veröffentlichungen können auf derselben ursprünglichen Mitteilung beruhen und sind dann keine unabhängigen Bestätigungen. Im Kontext von Zeugnis und epistemischer Wachsamkeit werden Zugang, Sachkenntnis, Überlieferung und mögliche Interessen gemeinsam relevant. Glaubwürdigkeit ist außerdem sachgebietsbezogen und abgestuft, kein unveränderliches Gütesiegel einer Person. Eine Quellenprüfung fragt daher nicht nur nach einem Namen, sondern nach der nachvollziehbaren Beziehung zwischen Behauptung, Zugang und Beleg.
Denkbewegung
1. Die konkrete Behauptung wird festgehalten. 2. Urheber und Übermittler werden getrennt ermittelt. 3. Der ursprüngliche Zugang wird geprüft. 4. Abhängigkeiten zwischen Belegen werden verfolgt. 5. Die begründete Vertrauensstärke wird angegeben.
Beispiel
Drei Webseiten übernehmen dieselbe Pressemitteilung. Ihre Übereinstimmung liefert drei Fundorte, aber noch keine drei unabhängigen Beobachtungen.
Gegenprobe
Ein bekannter Name garantiert keine Sachkenntnis in jedem Fachgebiet; Anonymität beweist umgekehrt nicht automatisch Falschheit.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Informationsforschung kann Weitergabeketten modellieren und Quellenabhängigkeit ausdrücklich dokumentieren.
Wirkung
Quellenprüfung macht den Weg einer Aussage ebenso wichtig wie ihre scheinbare Häufigkeit.
Resonanz
Eine Nachricht kann viele Stimmen haben und doch nur aus einem einzigen Fenster auf die Welt blicken.
Abgrenzung
Quelle von Fundort, Autorität, unabhängiger Evidenz und garantiert wahrer Aussage unterscheiden.
Quellen
- EN:sep-social-testimonydocumented-source-register