Kontexterklärung · NAV-G04-048
Relevanz
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Relevanz bezeichnet im Kontext der Gesprächsmaximen den nachvollziehbaren Beitrag einer Äußerung zum jeweiligen Austausch. Was einschlägig ist, hängt von Frage, Ziel, Vorwissen und Verlauf ab; es ist nicht einfach eine unveränderliche Eigenschaft eines Themas. Eine scheinbar ausweichende Antwort kann gerade durch ihren erschließbaren Zusammenhang verständlich werden. Diese gricesche Perspektive darf nicht unkommentiert mit der späteren Relevanztheorie gleichgesetzt werden, die ein eigenes Erklärungsmodell entwickelt. Der Eintrag erläutert deshalb zunächst den Herkunftskontext. Ob eine relevante Deutung tatsächlich beabsichtigt war, bleibt anhand weiterer Reaktionen und konkurrierender Erklärungen zu prüfen.
Denkbewegung
1. Die aktuelle Gesprächsaufgabe wird bestimmt. 2. Der Beitrag wird wörtlich erfasst. 3. Ein möglicher Zusammenhang wird erschlossen. 4. Dafür benötigtes Vorwissen wird benannt. 5. Alternative Deutungen und Reaktionen werden geprüft.
Beispiel
Auf „Ist die Bäckerei noch offen?“ kann „Das Licht brennt noch“ einen indirekten Hinweis liefern, obwohl die Öffnungsfrage nicht ausdrücklich beantwortet wird.
Gegenprobe
Brennendes Licht beweist keine Öffnung; die erschlossene Relevanz macht den Hinweis nicht unfehlbar.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Pragmatische Forschung kann durch veränderte Gesprächsziele prüfen, wann derselbe Beitrag als passend verstanden wird.
Wirkung
Relevanz verbindet einzelne Äußerungen mit einer gemeinsam erschließbaren Aufgabe.
Resonanz
Ein Satz kann an eine Frage anschließen, ohne ihre Wörter zu wiederholen.
Abgrenzung
Gesprächsrelevanz von Wahrheit, allgemeiner Wichtigkeit, bloßer Themenähnlichkeit und Relevanztheorie als eigenem Modell unterscheiden.
Quellen
- EN:sep-implicature-contextdocumented-source-register