ATLAS DER SPRACHE

AT-103-013 · ATLAS 250

Gesprächsmaxime

Orientierungsregel, aus der Gesprächsbeteiligte Erwartungen an informative, wahre, relevante und klare Beiträge ableiten.

Vertiefung

Gesprächsmaximen beschreiben keine starren Benimmregeln. Gerade ihre erkennbare Verletzung kann zusätzliche Bedeutung erzeugen, weil Hörende nach einem kooperativen Sinn suchen.

Beispiel

Auf ›Wie war der Vortrag?‹ antwortet jemand ›Die Stühle waren bequem‹ – und legt damit Kritik nahe.

Gegenbeispiel

Eine zufällige, nicht erschließbare Themenverfehlung erzeugt keine stabile Implikatur.

Abgrenzung

Von Höflichkeitsnormen und grammatischen Regeln unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Erklärt, wie Menschen aus dem Verhältnis von Gesagtem und Erwartbarem Ungesagtes erschließen.

Resonanz

Gemeinsame Erwartungen werden zum unsichtbaren Resonanzboden jeder Äußerung.

Etymologie

Maxime über französisch maxime aus lateinisch maxima ›größter Grundsatz‹; in der Pragmatik durch Grices Kooperationsmodell spezialisiert.

Provenienz

Sprachphilosophie → Grices Kooperationsprinzip → Implikaturforschung und Gesprächsanalyse

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Gesprächsmaxime“. Atlas der Sprache, AT-103-013. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-013

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-013

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