ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G05-010

Sprachfenster

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Sprachfenster ist hier eine redaktionelle Metapher des Atlas, kein als solcher vorausgesetzter sprachwissenschaftlicher Fachterminus. Im Kontext lexikalischer Lücken bezeichnet sie einen Blick darauf, welche Unterscheidungen eine Sprache kompakt benennt und welche durch Umschreibung zugänglich werden. Ein fehlendes Einzelwort bedeutet nicht, dass Sprecher den betreffenden Inhalt nicht denken oder ausdrücken können. Das Fenster ist daher keine Grenze des möglichen Bewusstseins. Es lenkt vielmehr die Aufmerksamkeit auf vorhandene Ausdruckswege und auf Unterschiede zwischen Registern, Sprachgemeinschaften und Situationen. Die Metapher soll eine Frage eröffnen, keine sprachdeterministische These beweisen.

Denkbewegung

1. Benennungsbedarf beschreiben. 2. Vorhandene Ausdrücke suchen. 3. Umschreibungen prüfen. 4. Registerunterschiede berücksichtigen. 5. Metapher und Befund trennen.

Beispiel

Für ein komplexes Gefühl wird eine kurze Umschreibung gefunden, obwohl in der untersuchten Alltagssprache kein geläufiges Einzelwort bekannt ist.

Gegenprobe

Ein erfolgloser Wörterbuchblick beweist weder eine vollständige lexikalische Lücke noch fehlende Erfahrung.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Der Atlas kann mit der Metapher dokumentierte Benennungsvergleiche didaktisch erschließen.

Wirkung

Das Sprachfenster lenkt auf alternative Zugänge zum Ausdruck.

Resonanz

Wo ein Wort fehlt, muss der Ausblick nicht enden.

Abgrenzung

Atlasmetapher von etabliertem Terminus, Unausdrückbarkeit und sprachlichem Determinismus unterscheiden.

Quellen