ATLAS DER SPRACHE

AT-103-010 · ATLAS 250

Lexikalische Lücke

Fehlen eines etablierten Einzelworts für einen grundsätzlich ausdrückbaren Begriff.

Vertiefung

Eine lexikalische Lücke bedeutet nicht, dass eine Sprache einen Gedanken nicht ausdrücken kann. Sie zeigt vielmehr, dass dafür Umschreibung, Neubildung oder Entlehnung nötig ist.

Beispiel

Für ›Geschwisterkind‹ existiert im Standarddeutschen kein allgemein gebräuchliches neutrales Einzelwort.

Gegenbeispiel

Unübersetzbar ist nicht automatisch gleichbedeutend mit lexikalisch nicht als Einzelwort vorhanden.

Abgrenzung

Von einem bloß unbekannten Fachwort und von prinzipieller Unausdrückbarkeit unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Macht sichtbar, welche Unterscheidungen eine Sprachgemeinschaft als feste Benennung bereitstellt.

Resonanz

Die Leerstelle wird zur Einladung, andere Sprachen und alternative Einteilungen der Erfahrung zu betreten.

Etymologie

Lexikalisch geht auf griechisch léxis ›Wort, Ausdruck‹ zurück; Lücke bezeichnet hier das Fehlen einer konventionalisierten Benennung.

Provenienz

Lexikologie → Sprachvergleich → Übersetzungsforschung und kulturelle Semantik

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Lexikalische Lücke“. Atlas der Sprache, AT-103-010. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-010

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-010

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.