Vertiefung
Eine lexikalische Lücke bedeutet nicht, dass eine Sprache einen Gedanken nicht ausdrücken kann. Sie zeigt vielmehr, dass dafür Umschreibung, Neubildung oder Entlehnung nötig ist.
Beispiel
Für ›Geschwisterkind‹ existiert im Standarddeutschen kein allgemein gebräuchliches neutrales Einzelwort.
Gegenbeispiel
Unübersetzbar ist nicht automatisch gleichbedeutend mit lexikalisch nicht als Einzelwort vorhanden.
Abgrenzung
Von einem bloß unbekannten Fachwort und von prinzipieller Unausdrückbarkeit unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Macht sichtbar, welche Unterscheidungen eine Sprachgemeinschaft als feste Benennung bereitstellt.
Resonanz
Die Leerstelle wird zur Einladung, andere Sprachen und alternative Einteilungen der Erfahrung zu betreten.
Etymologie
Lexikalisch geht auf griechisch léxis ›Wort, Ausdruck‹ zurück; Lücke bezeichnet hier das Fehlen einer konventionalisierten Benennung.
Provenienz
Lexikologie → Sprachvergleich → Übersetzungsforschung und kulturelle Semantik
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Lexikalische Lücke“. Atlas der Sprache, AT-103-010. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-103-010Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.