ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G05-031

Unaussprechlichkeit

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Unaussprechlichkeit bezeichnet im Qualia-Kontext die behauptete Grenze, ein Erleben vollständig sprachlich mitzuteilen. Dabei sind unterschiedliche Ansprüche zu trennen: Eine Person findet gerade keine Worte, eine Gemeinschaft besitzt keine knappe Benennung, oder eine Theorie behauptet eine prinzipielle Grenze jeder Beschreibung. Aus der ersten Schwierigkeit folgt die letzte These nicht. Auch kann eine Beschreibung Beziehungen und Bedingungen eines Erlebens verständlich machen, ohne das Erleben selbst beim Gegenüber hervorzurufen. Der Begriff eröffnet deshalb eine Untersuchung von Beschreibung, Erfahrung und Mitteilbarkeit, ohne einen endgültigen Beweis für die Unmöglichkeit von Sprache zu liefern.

Denkbewegung

1. Erleben und Beschreibung unterscheiden. 2. Die behauptete Grenze präzisieren. 3. Umschreibungen erproben. 4. Vergleichsmöglichkeiten prüfen. 5. Praktische und prinzipielle Grenzen trennen.

Beispiel

Jemand beschreibt den Geschmack einer Frucht durch Vergleiche; ob der Zuhörer ihn dadurch so erlebt wie die beschreibende Person, bleibt eine andere Frage.

Gegenprobe

Ein fehlendes Adjektiv beweist nicht, dass der betreffende Inhalt überhaupt nicht mitteilbar ist.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Philosophische Analyse kann verschiedene Behauptungen über Erlebniswissen auseinanderhalten.

Wirkung

Der Begriff macht Reichweite und Grenzen von Beschreibungen zum Thema.

Resonanz

Nicht alles, was beschrieben wird, wird damit auch erlebt.

Abgrenzung

Unaussprechlichkeit von Wortfindungsnot, lexikalischer Lücke und bewiesener prinzipieller Unmöglichkeit unterscheiden.

Quellen