ATLAS DER SPRACHE

Kontexterklärung · NAV-G05-032

Unregelmäßigkeit

Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.

Vertiefung

Unregelmäßigkeit bezeichnet hier die Abweichung einer Form von einem für den untersuchten Bereich produktiven oder erwartbaren Bildungsmuster. Sie ist damit relativ zu einer beschriebenen Regel, nicht die Abwesenheit jeder Struktur. Unregelmäßige Formen können in Teilgruppen wiederkehrende Muster zeigen und für geübte Sprecher sehr vertraut sein. Im Suppletionskontext ist wichtig, dass Suppletion eine besondere Art paradigmatischer Verschiedenheit bezeichnet; nicht jede unregelmäßige Flexion ist deshalb suppletiv. Auch Schreibabweichung, seltene Form und grammatischer Fehler sind andere Kategorien. Die Analyse muss das Vergleichsmuster nennen und den tatsächlichen Gebrauch dokumentieren.

Denkbewegung

1. Vergleichsmuster bestimmen. 2. Paradigma erfassen. 3. Abweichung lokalisieren. 4. Teilregelmäßigkeiten suchen. 5. Suppletion gesondert prüfen.

Beispiel

„Singen – sang“ weicht von einer schwachen Vergangenheitsbildung ab, gehört aber zu einem wiedererkennbaren Ablautmuster.

Gegenprobe

Eine häufige Form ist nicht allein wegen ihrer Häufigkeit regelmäßig; eine seltene Bildung nicht allein wegen ihrer Seltenheit unregelmäßig.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Morphologieforschung kann Produktivität und lexikalisch gespeicherte Alternationen vergleichen.

Wirkung

Der Begriff beschreibt das Verhältnis einer Form zu einem bestimmten Muster.

Resonanz

Eine Ausnahme kann Teil einer anderen Ordnung sein.

Abgrenzung

Unregelmäßigkeit von Strukturlosigkeit, Fehler, Seltenheit und Suppletion schlechthin unterscheiden.

Quellen