Kontexterklärung · NAV-G05-036
Vertrauen
Diese Erklärung erschließt den Begriff im folgenden Herkunftskontext. Sie ist kein zusätzliches kanonisches Atlasprofil.
Vertiefung
Epistemisches Vertrauen betrifft hier die Bereitschaft, sich bei der Bildung von Überzeugungen auf Aussagen oder Auskünfte anderer zu stützen. Es kann auf Erfahrung, zugeschriebener Kompetenz oder institutionellen Verfahren beruhen und bleibt bereichsabhängig. Vertrauen bedeutet weder die Garantie wahrer Aussagen noch den Verzicht auf kritische Prüfung. Im Zusammenhang mit Zeugnis und epistemischer Wachsamkeit geht es vielmehr darum, wie Abhängigkeit von anderen und Prüfung ihrer Beiträge zusammenwirken. Eine bekannte Person kann außerhalb ihres Fachgebiets irren; eine unbekannte Quelle kann überprüfbare richtige Information liefern. Verlässlichkeit muss deshalb an konkreten Behauptungen und Bedingungen untersucht werden.
Denkbewegung
1. Behauptung bestimmen. 2. Relevante Kompetenz prüfen. 3. Informationszugang ermitteln. 4. Unabhängige Belege vergleichen. 5. Vertrauensurteil aktualisieren.
Beispiel
Eine Auskunft über eine Zugverbindung wird zunächst übernommen und bei widersprüchlichen Anzeigen erneut geprüft.
Gegenprobe
Freundschaft oder Bekanntheit ersetzt keinen Sachbeleg für jede denkbare Frage.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Kommunikationsforschung kann untersuchen, wie Sprecher Vertrauen nach Fehlern neu bewerten.
Wirkung
Vertrauen ermöglicht geteiltes Wissen unter begrenzten eigenen Prüfmöglichkeiten.
Resonanz
Sich auf andere zu stützen muss nicht heißen, die Augen zu schließen.
Abgrenzung
Epistemisches Vertrauen von Zuneigung, Gewissheit, blindem Glauben und garantierter Wahrheit unterscheiden.
Quellen
- Epistemological Problems of Testimony, Stanford Encyclopedia of Philosophy
Introduction and §1.1.1; retrieved lines14–26,58–86
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