ATLAS DER SPRACHE

AT-NAR-W0200 · ATLAS 250

Leerstelle

Im Text nicht ausformulierter Zusammenhang, den Lesende ergänzen oder offenhalten.

Vertiefung

Leerstellen sind nicht bloß Informationsmängel. Sie verbinden Textteile, aktivieren Erwartungen und übertragen einen Teil der Sinnbildung an Lesende.

Beispiel

Die Tür fiel ins Schloss. Am Morgen stand sein Zimmer leer.

Gegenbeispiel

Ein Druckfehler, der zufällig eine Zeile unlesbar macht, ist keine gestaltete Leerstelle.

Abgrenzung

Ellipse ist eine sprachliche Auslassungsstruktur; Leerstelle ein breiterer rezeptiver Sinnzusammenhang.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Sie verwandelt Lesen in Mitvollzug und macht das Nichtgesagte produktiv.

Resonanz

Wo der Text schweigt, beginnt die Erfahrung der Lesenden zu antworten.

Etymologie

deutscher rezeptionsästhetischer Fachausdruck

Provenienz

Kandidatenbank K-0200 → ATLAS_035; rezeptionsästhetische Primärquelle ergänzen

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Leerstelle“. Atlas der Sprache, AT-NAR-W0200. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAR-W0200

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