ATLAS DER SPRACHE

AT-PRA-0006 · ATLAS 251

Schweigen

Bedeutungstragendes Ausbleiben von Sprache in einer Situation, in der Sprechen möglich oder erwartbar wäre.

Vertiefung

Nicht jede Pause und nicht jede Geräuschlosigkeit ist kommunikatives Schweigen. Bedeutung entsteht, wenn das Ausbleiben einer erwartbaren Äußerung im Kontext als Haltung, Antwort, Beziehungssignal oder Handlung interpretierbar wird.

Beispiel

Auf die Bitte um Zustimmung folgt langes Schweigen; die Gruppe liest es als Vorbehalt.

Gegenbeispiel

Eine technisch verursachte Sendepause ohne wahrnehmbare kommunikative Absicht.

Abgrenzung

Pause, Aposiopese oder Silencing: Pause gliedert Zeit, Aposiopese ist ein markierter Abbruch, Silencing bezeichnet das Verhindern einer Stimme.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Lenkt Aufmerksamkeit auf Erwartung und Beziehung; die fehlende Äußerung kann Macht, Nähe, Widerstand oder Unsicherheit verdichten.

Resonanz

Gerade das Ausbleibende lässt den Erwartungsraum des Gesprächs hörbar werden.

Etymologie

ahd. swīgen „still sein, nicht sprechen“

Provenienz

Rhetorik und Gesprächskunst → Ethnographie der Kommunikation → Pragmatik und Gesprächsanalyse

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Schweigen“. Atlas der Sprache, AT-PRA-0006. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-PRA-0006

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