Vertiefung
Nicht jede Pause und nicht jede Geräuschlosigkeit ist kommunikatives Schweigen. Bedeutung entsteht, wenn das Ausbleiben einer erwartbaren Äußerung im Kontext als Haltung, Antwort, Beziehungssignal oder Handlung interpretierbar wird.
Beispiel
Auf die Bitte um Zustimmung folgt langes Schweigen; die Gruppe liest es als Vorbehalt.
Gegenbeispiel
Eine technisch verursachte Sendepause ohne wahrnehmbare kommunikative Absicht.
Abgrenzung
Pause, Aposiopese oder Silencing: Pause gliedert Zeit, Aposiopese ist ein markierter Abbruch, Silencing bezeichnet das Verhindern einer Stimme.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Lenkt Aufmerksamkeit auf Erwartung und Beziehung; die fehlende Äußerung kann Macht, Nähe, Widerstand oder Unsicherheit verdichten.
Resonanz
Gerade das Ausbleibende lässt den Erwartungsraum des Gesprächs hörbar werden.
Etymologie
ahd. swīgen „still sein, nicht sprechen“
Provenienz
Rhetorik und Gesprächskunst → Ethnographie der Kommunikation → Pragmatik und Gesprächsanalyse
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Schweigen“. Atlas der Sprache, AT-PRA-0006. ATLAS 251, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-PRA-0006Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.