ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G01-046 · ATLAS 259

Emphase

Emphase meint im heutigen Sprachgebrauch häufig gesteigerten Nachdruck, der durch Betonung, Wortwahl oder Wiederholung entsteht.

Teil des Themenwegs Rhetorik und Stilistik

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Emphase verbindet hörbaren Nachdruck mit historisch engeren Bedeutungsweisen eines rhetorischen Begriffs. Die verwendete Lesart muss markiert werden, um Intensität und implizierten Zusatzsinn zu trennen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Emphase meint im heutigen Sprachgebrauch häufig gesteigerten Nachdruck, der durch Betonung, Wortwahl oder Wiederholung entsteht. Die antike rhetorische emphasis ist damit nicht deckungsgleich: In einschlägigen Darstellungen lässt sie mehr verstehen, als ausdrücklich gesagt wird, oder verdichtet eine Eigenschaft zur bestimmenden Qualität. Der Herkunftskontext muss deshalb die Lesart steuern. Bei Diacope steht etwa Nachdruck durch Wiederholung nahe; das berechtigt nicht dazu, alle historischen Verwendungen auf Lautstärke zu reduzieren. Die eigenständige Denkbewegung verstärkt eine bestimmte Lesart und macht ihre Mittel beobachtbar.

Denkbewegung

1. Die moderne oder historische Lesart festlegen. 2. Die hervorgehobene Qualität oder Aussage bestimmen. 3. Sprachliche und stimmliche Mittel erfassen. 4. Gesagtes und zusätzlich Nahegelegtes unterscheiden. 5. Den Effekt mit einer weniger markierten Fassung vergleichen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Stilistik und Prosodieforschung können Hervorhebungsmittel untersuchen; historische Rhetorik muss ihre eigene Terminologie zusätzlich rekonstruieren.

Beispiel

»Das war ein Freund – ein Freund!« kann durch Wiederholung und Stimme die Qualität wirklicher Freundschaft hervorheben; der Kontext entscheidet über Bewunderung oder Ironie.

Gegenbeispiel

Ein technisch verstärktes Mikrofonsignal ist nicht allein rhetorische Emphase. Umgekehrt kann eine leise formulierte Wendung emphatisch wirken.

Abgrenzung

Rhetorische Emphase ist von Lautstärke, Affekt und Hyperbel zu unterscheiden. Dabei ist anzugeben, ob moderner Nachdruck oder die antike rhetorische Bedeutung gemeint ist; der gleiche Name deckt verwandte, aber nicht identische Verfahren ab.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Eine Eigenschaft oder Aussage tritt aus dem übrigen Material hervor und erhält besonderes Gewicht.

Resonanz

Ein Ausdruck schwingt über seine einmalige Nennung hinaus und bindet die Aufmerksamkeit erneut.

Provenienz

Burton erläutert emphasis als verdichtete Hervorhebung einer wesentlichen Qualität; Ad Herennium IV.67 behandelt ein Mehr an erschließbarem Sinn. Die heutige Verwendung für Nachdruck wird davon ausdrücklich unterschieden; bloße Lautstärke definiert die antike Figur nicht. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Emphase“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G01-046. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G01-046

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