ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-015 · ATLAS 259

Artikulationsort

Artikulationsort benennt die Lage einer für einen Laut maßgeblichen Verengung oder eines Verschlusses im Ansatzrohr.

Teil des Themenwegs Klang, Phonetik und Phonologie

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Artikulationsort liefert die räumliche Grundlage für den Vergleich von Lauten und ihren Veränderungen. Er erklärt die Verengungsstelle und nicht allein Artikulationsart oder akustische Wirkung.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Der Artikulationsort beschreibt bei Konsonanten, wo eine relevante Verengung oder ein Verschluss gebildet wird. Er wird gemeinsam mit Artikulationsart und Stimmhaftigkeit beschrieben, ersetzt diese Angaben aber nicht. Manche Laute besitzen mehr als eine relevante Artikulationsstelle. Der Verweis aus Debuccalisierung betrifft besonders den Verlust einer oralen Verengung. In einer gestischen Analyse bedeutet das nicht, dass sich der Mundraum überhaupt nicht mehr bewegt: Benachbarte Vokale können weiterhin Zungenbewegungen bestimmen. Ortsbeschreibung, Lautkorrespondenz und theoretisches Modell müssen deshalb auseinandergehalten werden.

Denkbewegung

1. Die relevante Verengung wird lokalisiert. 2. Aktive und passive Artikulatoren werden beschrieben. 3. Ort und Art der Artikulation werden getrennt. 4. Kontextuelle oder zusätzliche Gesten werden berücksichtigt. 5. Eine Lautveränderung wird an systematischen Entsprechungen geprüft.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Untersuchung kann Artikulationsaufnahmen und Lautkorrespondenzen zusammenführen; Aufnahmemethode, Sprache, Position und Varietät werden angegeben.

Beispiel

Die isolierten Laute [p] und [t] sind beide stimmlose Verschlusslaute, unterscheiden sich aber als bilabial beziehungsweise alveolar im Artikulationsort.

Gegenbeispiel

[p] und [b] unterscheiden sich im Merkmal Stimmhaftigkeit, nicht im bilabialen Ort. Ein anderer Buchstabe beweist keinen anderen Artikulationsort.

Abgrenzung

Von Artikulationsart, Phonation, Schreibweise und allgemeiner Abschwächung trennen. Die Definition oraler Ortsverluste ist modellabhängig und wird nicht aus einem einzelnen Höreindruck abgeleitet.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Ortsanalyse kann erklären, welche artikulatorische Eigenschaft bei einer Lautveränderung erhalten bleibt oder entfällt.

Resonanz

Der Laut erhält seine Kontur dort, wo der Luftstrom auf einen gestaltenden Widerstand trifft.

Provenienz

Ladefoged/Johnson trennen artikulatorische Dimensionen; Essentials bietet einführende Ortsklassifikationen. Die Debukkalisierungsanwendung bleibt an den jeweils betroffenen oralen Merkmalen gebunden. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Artikulationsort“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-015. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-015

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-015

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