ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-031 · ATLAS 259

Dependenz

Dependenz bezeichnet eine gerichtete syntaktische Beziehung zwischen einem Kopf und einem abhängigen Element.

Teil des Themenwegs Morphologie und Wortbildung

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Dependenz ist nötig, um gerichtete Kopfbeziehungen als Alternative zur bloßen linearen Satzfolge zu beschreiben. Die Diagnose hängt vom syntaktischen Modell und den jeweiligen Sprachkriterien ab.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Dependenz bezeichnet eine gerichtete syntaktische Beziehung zwischen einem Kopf und einem abhängigen Element. Sie beschreibt Struktur, nicht bloß die Reihenfolge benachbarter Wörter. In einer Dependenzanalyse werden Beziehungen etwa als Subjekt-, Objekt- oder Modifikationsbeziehungen bestimmt. Welche Einheit als Kopf gilt, hängt teilweise vom Analysemodell ab. Dependenzmarkierung beantwortet eine andere Frage: Wo erscheint ein sichtbares Zeichen der Beziehung? Es kann am Kopf, am abhängigen Element, an beiden oder an keinem stehen. Fehlende morphologische Markierung hebt die syntaktische Beziehung nicht auf.

Denkbewegung

1. Die beteiligten Einheiten abgrenzen. 2. Den Kopf nach benannten Kriterien bestimmen. 3. Die Relation benennen. 4. Ihre morphologische Markierung unabhängig lokalisieren.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Ein Baumkorpus kann auf konsistente Kopfentscheidungen und gesondert auf die Markierung grammatischer Beziehungen geprüft werden.

Beispiel

In „Mira liest Briefe“ lässt sich Briefe als Objekt von liest analysieren. Ein Dependenzpfeil stellt die Beziehung dar, nicht den Zeitverlauf des Lesens.

Gegenbeispiel

Zwei nebeneinander stehende Wörter müssen keine direkte Dependenz bilden. Manche Koordinationsdarstellungen sind Modellkonventionen.

Abgrenzung

Von linearer Nachbarschaft, semantischer Ursache und dem Ort der Markierung unterscheiden. Annotation und theoretische Analyse sind nicht vollständig identisch.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Dependenzanalyse macht Beziehungen sichtbar, die eine bloße Wortliste nicht ausdrückt.

Resonanz

Wörter stehen nicht nur nacheinander; sie halten einander in einer Struktur.

Provenienz

Tesnière entwickelt eine Dependenzsyntax; Nichols vergleicht den morphologischen Ort von Beziehungsmarkierung. Die Strukturrelation ist die Voraussetzung des Vergleichs, nicht sein markierter Ausdruck. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Dependenz“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-031. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-031

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-031

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