ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-032 · ATLAS 259

Determinativkompositum

Ein Determinativkompositum ist ein Kompositum, bei dem ein Glied das andere semantisch näher bestimmt.

Teil des Themenwegs Morphologie und Wortbildung

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Determinativkompositum erschließt die innere Bestimmungsrelation als Vergleichspunkt innerhalb der Zusammensetzungen. Nicht jede Verbindung zweier Basen besitzt eine solche semantische Hierarchie.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ein Determinativkompositum verbindet Bestandteile in einem Bestimmungsverhältnis. Im deutschen Prototyp präzisiert ein Bestimmungsglied die Bedeutung des Grundworts. Gartenhaus bezeichnet dann eine Art Haus. Die genaue Beziehung der Teile muss nicht vollständig ausgesprochen sein; sie wird aus Sprachgebrauch und Kontext erschlossen. Rechtsköpfigkeit beschreibt hier eine deutsche Bauweise, keine universelle Reihenfolge. Auch der Umfang der Kategorie ist zu nennen: grammis führt exozentrische Determinativkomposita als Sonderfall. Der Eintrag konzentriert sich auf den endozentrischen Prototyp und benennt diese weitere Verwendung, statt Determination und Endozentrik gleichzusetzen.

Denkbewegung

1. Die unmittelbaren Bestandteile werden bestimmt. 2. Das mögliche Grundwort wird identifiziert. 3. Das Bestimmungsverhältnis wird paraphrasiert. 4. Der Bezug des Gesamtworts wird geprüft. 5. Reihenfolge und Kategorienumfang werden ausdrücklich angegeben.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Korpusanalyse kann nominale Komposita nach Teilrelation, Referenz und lexikalisierter Bedeutung annotieren und die Entscheidungen anhand von Kontextstellen kontrollieren.

Beispiel

Gartenhaus ist im konstruierten Test eine Art Haus. Garten bestimmt Haus näher; allein aus den Teilen folgt noch nicht jede Nutzung des Gebäudes.

Gegenbeispiel

Rotkehlchen bezeichnet einen Vogel, keine Art Kehle. grammis behandelt solche exozentrischen Bildungen als Sonderfall; der Prototyp-Test reicht daher nicht für die gesamte dortige Kategorie.

Abgrenzung

Von Kopulativkomposition, bloßer Wortfolge und Endozentrik unterscheiden. Semantischer Bezug, morphologischer Kopf und lineare Stellung sind getrennte Prüfgrößen.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Analyse kann sichtbar machen, welche Beziehung ein kompaktes Wort ausdrückt und welche Informationen es dem Kontext überlässt.

Resonanz

Zwei Wortbereiche treffen sich; einer gibt dem Ganzen eine Richtung, ohne jede Beziehung auszusprechen.

Provenienz

Haspelmath/Sims geben den morphologischen Vergleichsrahmen; Bauer differenziert Kompositatypen und ihre Interpretationen. Semantische Bestimmung und grammatische Kopfeigenschaften werden getrennt geprüft. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Determinativkompositum“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-032. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-032

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-032

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