ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G02-039 · ATLAS 259

Endozentrik

Endozentrik bezeichnet Konstruktionen mit einem internen Kopf, der relevante Eigenschaften des Ganzen bestimmt.

Teil des Themenwegs Morphologie und Wortbildung

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Endozentrik erlaubt die Prüfung, ob ein interner Kopf die Eigenschaften einer Konstruktion bestimmt. Die jeweilige Kopfdiagnose muss angegeben werden, statt jede innere Dominanz gleichzusetzen.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Endozentrik bezeichnet eine Konstruktion, deren relevante Eigenschaften durch einen internen Kopf bestimmt werden. Bei Komposita hilft zunächst die semantische Frage, ob das Ganze eine Art des durch den Kopf Bezeichneten ist. Daneben steht die formale Frage, welches Glied Wortart oder andere grammatische Eigenschaften bestimmt. Diese Tests dürfen nicht stillschweigend gleichgesetzt werden. Ein Wort kann formal Eigenschaften eines Bestandteils übernehmen, ohne semantisch dessen Unterart zu bezeichnen. Der Eintrag konzentriert sich auf Komposition im Herkunftskontext morphologischer Kopf; eine Übertragung auf Phrasen verlangt zusätzliche syntaktische Kriterien.

Denkbewegung

1. Konstruktion und Analyseebene festlegen. 2. Einen möglichen Kopf bestimmen. 3. Die Unterartbeziehung testen. 4. Formale Merkmale gesondert vergleichen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine morphologische Untersuchung könnte semantische und formale Kopfdiagnostik in getrennten Spalten dokumentieren.

Beispiel

Das konstruierte deutsche Kompositum Archivlampe bezeichnet eine Art Lampe. Lampe liefert zudem das feminine Genus des Gesamtworts.

Gegenbeispiel

Ein Rotkopf kann eine Person bezeichnen, nicht eine Art Kopf. Die semantische Prüfung ist daher unabhängig von der Wortart beider Teile.

Abgrenzung

Von Determination, linearer Rechtsstellung und bloßer Transparenz unterscheiden. Semantische und formale Endozentrik verlangen benannte Kriterien.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Analyse verhindert, dass verschiedene Bedeutungen von Kopf unbemerkt zusammenfallen.

Resonanz

Ein Teil gibt dem Ganzen seine Richtung, doch nicht jede Richtung ist dieselbe.

Provenienz

Haspelmath/Sims erläutern Kopfeigenschaften; Bauer differenziert formale und semantische Kompositastrukturen. Die Unterartparaphrase wird als Test, nicht als einzige universelle Definition eingesetzt. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Endozentrik“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G02-039. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-039

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G02-039

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.