ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-026 · ATLAS 259

Imagination

Erzeugung nicht unmittelbar gegebener Szenen im Enargia-Kontext.

Teil des Themenwegs Rhetorik und Stilistik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Imagination ist eine notwendige Grundlage, um sprachlich eröffnete Möglichkeiten, fiktive Szenen und fremde Perspektiven zu verstehen. Das Profil hält die Vorstellungstätigkeit von einzelnen sprachlichen Verfahren ihrer Anregung auseinander.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Imagination ermöglicht, Situationen vorzustellen, die nicht unmittelbar wahrgenommen werden. Dabei muss nicht in jedem Fall ein klares inneres Bild entstehen. Man kann Möglichkeiten, Abläufe oder Perspektiven auch anders gedanklich entfalten. Im Verweis aus Enargia interessiert, wie Sprache solche Vorstellungen anregt: Ausgewählte Einzelheiten, Bewegungen und räumliche Beziehungen können eine Szene anschaulich machen. Diese Anschaulichkeit ist jedoch weder ein Wahrheitsbeweis noch bei allen Lesenden gleich. Der Eintrag unterscheidet daher das Gestaltungsangebot des Textes von der tatsächlich entstehenden Vorstellung.

Denkbewegung

1. Sprachliche Hinweise werden gesammelt. 2. Die entworfene Situation wird rekonstruiert. 3. Wahrnehmung und Vorstellung werden getrennt. 4. Alternative Vorstellungsweisen werden zugelassen. 5. Anschaulichkeit wird nicht mit Wahrheit gleichgesetzt.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Rezeptionsstudien können Beschreibungen oder Aufgabenleistungen erfassen, ohne allen Personen dieselbe innere Bildhaftigkeit zu unterstellen.

Beispiel

„Am Türgriff hängt noch ein Tropfen Regen“ bietet einen konkreten Szenenausschnitt. Lesende können daraus unterschiedliche Räume und Vorgeschichten entwickeln.

Gegenbeispiel

Eine lebhaft vorgestellte Szene ist dadurch weder tatsächlich geschehen noch korrekt erinnert.

Abgrenzung

Von Wahrnehmung, Erinnerung, Überzeugung und bloßem Behaupten unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Imagination öffnet gedankliche Zugänge zu Abwesendem und Möglichem.

Resonanz

Wenige Wörter können einen Raum öffnen, den keine Leserin genau wie eine andere betritt.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Imagination“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-026. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-026

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-026

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