Vertiefung
Konnektor bezeichnet eine sprachliche Einheit, die eine semantische Beziehung zwischen Aussagen oder anderen geeigneten Einheiten ausdrückt. Der Begriff beschreibt eine Funktion und fällt deshalb nicht mit einer einzigen Wortart zusammen. Im Deutschen können etwa weil und deshalb einen kausalen Zusammenhang vermitteln, obwohl sie sich syntaktisch verschieden verhalten. Für die Analyse sind daher mindestens zwei Fragen zu trennen: Welche Beziehung wird hergestellt, und wie ist der betreffende Ausdruck in die Satzstruktur eingebunden? Nicht jede Konjunktion verbindet Aussagen, und nicht jedes gesprächsorganisierende Signal wird im gewählten Modell als Konnektor behandelt. Die Reichweite der Klasse muss ausdrücklich genannt werden.
Denkbewegung
1. Die verbundenen Einheiten werden bestimmt. 2. Der relationale Beitrag wird beschrieben. 3. Die syntaktische Einbindung wird geprüft. 4. Alternative Konnektoren werden verglichen. 5. Die verwendete Klassifikation wird offengelegt.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Korpusanalysen können Relationstyp, Stellung und Register getrennt annotieren.
Beispiel
„Wir bleiben, weil es regnet“ und „Es regnet; deshalb bleiben wir“ vermitteln einen ähnlichen Begründungszusammenhang mit unterschiedlichen Satzstrukturen.
Gegenbeispiel
Der bloße Austausch von weil gegen deshalb erhält im Deutschen nicht automatisch eine grammatische Satzstellung.
Abgrenzung
Konnektor von Konjunktion als Wortart, bloßer Nachbarschaft und Diskursmarker im weiteren Sinn unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Die funktionale Sicht verbindet semantisch verwandte Ausdrücke über Wortartgrenzen hinweg.
Resonanz
Ein kleines Wort kann bestimmen, als was zwei Aussagen füreinander gelten.
Provenienz
Deborah Schiffrin: Discourse Markers, 1987 erschließt für „Konnektor“ den Bereich Markers as resources across planes of discourse; Bruce Fraser: What are Discourse Markers?, 1999 setzt mit Journal of Pragmatics 31(7), 931–952 einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Ausdruck, der Sätze oder Diskurssegmente in eine interpretierbare Relation setzt.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Konnektor“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-040. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-040Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.