ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-040 · ATLAS 259

Konnektor

Ausdruck, der Sätze oder Diskurssegmente in eine interpretierbare Relation setzt.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Konnektor ist nötig, um sprachlich markierte Beziehungen zwischen Diskurssegmenten vergleichbar zu machen. Die lexikalische Form legt ihre konkrete Relation nicht unabhängig vom Kontext fest.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Konnektor bezeichnet eine sprachliche Einheit, die eine semantische Beziehung zwischen Aussagen oder anderen geeigneten Einheiten ausdrückt. Der Begriff beschreibt eine Funktion und fällt deshalb nicht mit einer einzigen Wortart zusammen. Im Deutschen können etwa weil und deshalb einen kausalen Zusammenhang vermitteln, obwohl sie sich syntaktisch verschieden verhalten. Für die Analyse sind daher mindestens zwei Fragen zu trennen: Welche Beziehung wird hergestellt, und wie ist der betreffende Ausdruck in die Satzstruktur eingebunden? Nicht jede Konjunktion verbindet Aussagen, und nicht jedes gesprächsorganisierende Signal wird im gewählten Modell als Konnektor behandelt. Die Reichweite der Klasse muss ausdrücklich genannt werden.

Denkbewegung

1. Die verbundenen Einheiten werden bestimmt. 2. Der relationale Beitrag wird beschrieben. 3. Die syntaktische Einbindung wird geprüft. 4. Alternative Konnektoren werden verglichen. 5. Die verwendete Klassifikation wird offengelegt.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Korpusanalysen können Relationstyp, Stellung und Register getrennt annotieren.

Beispiel

„Wir bleiben, weil es regnet“ und „Es regnet; deshalb bleiben wir“ vermitteln einen ähnlichen Begründungszusammenhang mit unterschiedlichen Satzstrukturen.

Gegenbeispiel

Der bloße Austausch von weil gegen deshalb erhält im Deutschen nicht automatisch eine grammatische Satzstellung.

Abgrenzung

Konnektor von Konjunktion als Wortart, bloßer Nachbarschaft und Diskursmarker im weiteren Sinn unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die funktionale Sicht verbindet semantisch verwandte Ausdrücke über Wortartgrenzen hinweg.

Resonanz

Ein kleines Wort kann bestimmen, als was zwei Aussagen füreinander gelten.

Provenienz

Deborah Schiffrin: Discourse Markers, 1987 erschließt für „Konnektor“ den Bereich Markers as resources across planes of discourse; Bruce Fraser: What are Discourse Markers?, 1999 setzt mit Journal of Pragmatics 31(7), 931–952 einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Ausdruck, der Sätze oder Diskurssegmente in eine interpretierbare Relation setzt.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Konnektor“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-040. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-040

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-040

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.