ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-048 · ATLAS 259

Konzessivität

Konzessivität stellt einen Sachverhalt dar, der trotz eines normalerweise als hinderlich erwarteten Umstands besteht.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Konzessivität zeigt das Fortbestehen eines Sachverhalts entgegen einer erwarteten Hinderung und ergänzt kausale Verknüpfung. Entscheidend ist die Erwartungsrelation und nicht jedes Auftreten von obwohl.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Konzessivität bezeichnet eine Beziehung, bei der ein Sachverhalt gilt, obwohl ein anderer nach einer relevanten Erwartung gegen ihn sprechen würde. Die Erwartung ist dabei kein ausnahmsloses Gesetz. Sie kann aus allgemeinem Wissen, lokalen Umständen oder zuvor geäußerten Annahmen stammen. In „Obwohl es regnet, gehen wir spazieren“ wird Regen als möglicher Grund gegen den Spaziergang aufgerufen und für diesen Fall übergangen. Die Analyse muss die erschlossene Erwartung benennen, statt allein nach einem bestimmten Wort zu suchen. Nicht jede Verbindung mit aber ist konzessiv, und eine rhetorische Einräumung fällt nicht in jeder Verwendung mit einer grammatisch konzessiven Konstruktion zusammen.

Denkbewegung

1. Die verbundenen Sachverhalte werden bestimmt. 2. Eine relevante Erwartung wird rekonstruiert. 3. Der erwartete Schluss wird formuliert. 4. Seine Aufhebung im konkreten Fall wird geprüft. 5. Form und Diskursfunktion werden getrennt beschrieben.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Korpusstudie kann konzessive Deutungen anhand expliziter Konnektoren und rekonstruierbarer Erwartungen vergleichen.

Beispiel

„Obwohl die Aufgabe schwierig war, löste Mira sie schnell“ setzt eine Erwartung über Schwierigkeit und Bearbeitungszeit in Beziehung zum abweichenden Ergebnis.

Gegenbeispiel

„Lea liest, aber Nils kocht“ kann nur einen Kontrast ausdrücken, ohne die gleiche Erwartungsstruktur aufzubauen.

Abgrenzung

Konzessivität von einfachem Kontrast, logischem Widerspruch und jeder beliebigen rhetorischen Einräumung unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Konzessivität macht eine Ausnahme sichtbar, ohne die zugrunde liegende Erwartung notwendig ganz aufzugeben.

Resonanz

Ein Einwand bleibt hörbar, doch der Satz geht über ihn hinweg weiter.

Provenienz

Ekkehard König: Concessive connectives and concessive sentences, 1988 erschließt für „Konzessivität“ den Bereich Concessive relations and frustrated expectations; Rodney Huddleston / Geoffrey K. Pullum: The Cambridge Grammar of the English Language, 2002 setzt mit Clause status, infinitivals, coordination, copular clauses and degree einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Relation, bei der ein Umstand eine erwartete Folgerung nicht verhindert.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Konzessivität“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-048. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-048

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