ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G03-051 · ATLAS 259

Koordination

Verknüpfung formal gleichrangiger Einheiten durch sprachspezifische Mittel.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Koordination ist nötig, um gleichrangige Verknüpfung von Einbettung und Unterordnung zu unterscheiden. Formale Gleichrangigkeit darf nicht mit gleichem kommunikativem Gewicht verwechselt werden.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Koordination verbindet syntaktische Einheiten, die in der jeweiligen Konstruktion grundsätzlich als gleichrangige Glieder analysiert werden. Gleichrangigkeit bedeutet dabei nicht, dass jeder Austausch oder jede Umstellung folgenlos bleibt: Bedeutung, Reihenfolge und konstruktionsspezifische Beschränkungen können Asymmetrien erzeugen. Der Begriff ist für Herkunftskontexte wie Parataxe, Hendiadyoin oder Gapping relevant, doch keiner dieser Fälle lässt sich allein durch das Auftreten zweier Wörter oder Verben bestimmen. Eine semantische Einheit beweist ebenso wenig syntaktische Unterordnung wie eine Verbfolge bereits Koordination. Die Analyse muss Form, Funktion und mögliche Auslassungen mit sprachspezifischen Kriterien auseinanderhalten.

Denkbewegung

1. Die möglicherweise verbundenen Einheiten werden abgegrenzt. 2. Ihre syntaktischen Funktionen werden verglichen. 3. Verknüpfungsmittel und Auslassungen werden untersucht. 4. Umstellungs- und Erweiterungstests werden geprüft. 5. Die Struktur wird mit ihren Beschränkungen beschrieben.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Syntaktische Forschung kann Verteilung, Weglassbarkeit und Interpretation koordinierter Strukturen systematisch vergleichen.

Beispiel

„Lea liest und Nils schreibt“ verbindet zwei Sätze. In „Lea kauft Brot und Milch“ stehen dagegen zwei nominale Ausdrücke in einer koordinierten Verbindung.

Gegenbeispiel

Eine Folge zweier Verben ist nicht automatisch eine Koordination; sie kann etwa eine andere mehrteilige Prädikatskonstruktion bilden.

Abgrenzung

Koordination von Subordination, Parataxe als weiterem Gliederungsbegriff und bloßer semantischer Zusammengehörigkeit unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Koordination zeigt, wie mehrere Einheiten einen gemeinsamen syntaktischen Platz oder einen größeren Zusammenhang bilden können.

Resonanz

Mehreres wird verbunden, ohne deshalb in jeder Hinsicht gleich zu werden.

Provenienz

Martin Haspelmath (ed.): Coordinating Constructions, 2004 erschließt für „Koordination“ den Bereich Cross-linguistic coordination and coordinator types; Rodney Huddleston / Geoffrey K. Pullum: The Cambridge Grammar of the English Language, 2002 setzt mit Clause status, infinitivals, coordination, copular clauses and degree einen zweiten, abgrenzenden Schwerpunkt. Der Entwurf verwendet beide für den begrenzten Untersuchungsumfang „Verknüpfung formal gleichrangiger Einheiten durch sprachspezifische Mittel.“, ohne bibliographische Arbeitsangaben als neue Volltextlektüre auszugeben. → Parallel corpus source review reconciled 2026-10-07

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Koordination“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G03-051. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-051

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G03-051

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