ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G04-001 · ATLAS 259

Koreferenz

Koreferenz liegt vor, wenn mehrere Ausdrücke auf denselben Referenten bezogen werden.

Teil des Themenwegs Syntax und Grammatik

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Koreferenz ist nötig, um verschiedene Benennungen eines Referenten von gleichen Bedeutungen zu unterscheiden. Die gemeinsame Bezugsgröße setzt weder Synonymie noch identische sprachliche Form voraus.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Koreferenz liegt vor, wenn mehrere Ausdrücke auf denselben Referenten bezogen werden. Die Beziehung betrifft den Bezug, nicht die Ähnlichkeit ihrer Form oder Bedeutung. Ein Eigenname, eine Beschreibung und ein Pronomen können dieselbe Person bezeichnen, ohne dass die Ausdrücke deshalb synonym sind. Auch Anapher und Koreferenz fallen nicht vollständig zusammen: Manche anaphorischen Ausdrücke erhalten ihre Interpretation durch einen vorangehenden Ausdruck, ohne einen einzelnen festen Referenten mit ihm zu teilen. In den Herkunftskontexten Kontrolle, Logophorizität und Switch-Reference sind deshalb jeweils zusätzliche grammatische Bedingungen zu prüfen. Gleicher Bezug ersetzt keine Analyse der Konstruktion, die ihn ermöglicht oder einschränkt.

Denkbewegung

1. Die relevanten Ausdrücke werden abgegrenzt. 2. Ihr Bezug wird im Kontext ermittelt. 3. Mögliche Identität der Referenten wird geprüft. 4. Grammatische Abhängigkeiten werden gesondert untersucht. 5. Alternative Lesarten testen die Zuordnung.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Eine Korpusanalyse kann Referenzketten annotieren und unsichere Zuordnungen ausdrücklich markieren.

Beispiel

„Mira kam herein. Die Ärztin setzte sich.“ kann zwei koreferente Ausdrücke enthalten, wenn die Ärztin Mira ist; das muss der Kontext sichern.

Gegenbeispiel

In „Jede Ärztin prüft ihre Unterlagen“ kann ihre mit jeder Ärztin variieren. Ein einziger gemeinsamer Referent erklärt diese gebundene Lesart nicht.

Abgrenzung

Koreferenz von Synonymie, Anapher allgemein und grammatischer Kontrolle unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Koreferenz macht sichtbar, wie wechselnde Benennungen Kontinuität im Diskurs schaffen.

Resonanz

Die Sprache wechselt ihr Zeichen, während unser Blick bei derselben Person bleibt.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Koreferenz“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G04-001. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-001

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-001

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