ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G04-030 · ATLAS 259

Plosiv

Ein Plosiv ist ein nichtnasaler Verschlusslaut, bei dem der Luftstrom vorübergehend vollständig blockiert wird.

Teil des Themenwegs Klang, Phonetik und Phonologie

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Plosiv liefert die Grundlage für den Vergleich von Verschluss, Reibung und zusammengesetzten Artikulationsabläufen. Ein vollständiger Verschluss allein genügt ohne Prüfung der nichtnasalen Realisierung nicht.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ein Plosiv ist ein nichtnasaler Verschlusslaut, bei dem der Luftstrom vorübergehend vollständig blockiert wird. Der Verschluss kann an verschiedenen Stellen entstehen, etwa an den Lippen oder an der Glottis. Die Bezeichnung darf deshalb nicht auf Verschlüsse innerhalb der Mundhöhle verengt werden. Auch ist eine hörbare explosionsartige Lösung kein notwendiges Merkmal jeder konkreten Realisierung; ein Verschluss kann ohne deutlich hörbare Lösung enden. Im Affrikaten-Kontext ist zusätzlich zu prüfen, ob an den Verschluss eine charakteristische Reibungsphase anschließt. Artikulationsablauf, phonologische Einheit und Schreibweise bleiben dabei verschiedene Analyseebenen.

Denkbewegung

1. Die Verschlussphase wird identifiziert. 2. Der Ort der Blockierung wird bestimmt. 3. Stimmhaftigkeit und Luftführung werden untersucht. 4. Art und Hörbarkeit der Lösung werden geprüft. 5. Eine mögliche anschließende Reibungsphase wird gesondert analysiert.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Phonetische Forschung kann Verschlussdauer, Lösung und Stimmhaftigkeit getrennt messen.

Beispiel

Die Laute [p] und [t] zeigen unterschiedliche Verschlussorte. Auch [ʔ] gehört als Glottisverschluss zur entsprechenden Klasse, obwohl die Blockierung nicht im Mund entsteht.

Gegenbeispiel

Ein Nasal kann einen oralen Verschluss besitzen, während Luft durch die Nase strömt; er ist deshalb nicht einfach derselbe Lauttyp.

Abgrenzung

Plosiv von Nasal, Affrikate, Buchstabenname und notwendig hörbarer Explosion unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Die Analyse ersetzt die Alltagserwartung eines Knalls durch eine Beschreibung des Artikulationsablaufs.

Resonanz

Ein Laut kann seine Kontur gerade dadurch gewinnen, dass der Luftstrom kurz angehalten wird.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Plosiv“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G04-030. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-030

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-030

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