Vertiefung
Proposition bezeichnet in vielen semantischen und philosophischen Ansätzen einen Gehalt, der wahr oder falsch sein kann. Damit wird zwischen sprachlicher Form, einzelner Äußerung und dem behaupteten oder gedachten Inhalt unterschieden. Verschiedene Sätze können denselben Gehalt ausdrücken; dieselbe Satzform kann unter veränderten Umständen einen anderen Gehalt erhalten. Wie Propositionen genau bestimmt werden und ob man sie als eigene Entitäten benötigt, ist theoretisch umstritten. Der Eintrag verwendet den Begriff deshalb als ausdrücklich benanntes Analysewerkzeug. Eine Proposition ist nicht bereits eine Tatsache: Auch ein falscher Inhalt kann in diesem Sinn propositional sein.
Denkbewegung
1. Der konkrete Äußerungskontext wird festgelegt. 2. Der ausgedrückte Gehalt wird rekonstruiert. 3. Form und Äußerungsakt werden davon getrennt. 4. Bedingungen für Wahrheit oder Falschheit werden formuliert. 5. Alternative Theorien der Gehaltsbestimmung werden berücksichtigt.
Wissenschaftlicher Anwendungsfall
Semantische Forschung kann prüfen, welche Kontextänderungen den behaupteten Gehalt verändern.
Beispiel
„Es regnet hier“ kann bei zwei Äußerungen an verschiedenen Orten unterschiedliche Inhalte ausdrücken, obwohl der Wortlaut identisch ist.
Gegenbeispiel
Dass ein Satz etwas behauptet, macht den behaupteten Inhalt nicht wahr. Eine Proposition darf nicht mit einer bestehenden Tatsache gleichgesetzt werden.
Abgrenzung
Proposition von Satzform, Äußerung, Behauptungsakt und Tatsache unterscheiden.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Der Begriff ermöglicht Vergleiche über unterschiedliche Ausdrucksformen hinweg.
Resonanz
Ein Gedanke kann dieselbe Gestalt im Inhalt behalten, obwohl er andere Worte findet.
Provenienz
Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Proposition“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G04-033. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G04-033Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.