ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-004 · ATLAS 259

Selbstorganisation

Selbstorganisation bezeichnet die Ausbildung oder Aufrechterhaltung einer Ordnung durch Wechselwirkungen innerhalb eines Systems, ohne dass eine zentrale Instanz jedes Detail vorgibt.

Teil des Themenwegs Sprachphilosophie, Denken und Erkenntnis

Warum dieser Begriff im Atlas?

A · Analysebegriff R1 · Eigenständiger Erkenntnisbeitrag

Selbstorganisation erschließt Ordnungsbildung durch interne Wechselwirkungen und ergänzt die Diagnose emergenter Eigenschaften. Der Systemprozess muss benannt werden, statt jede spontane Ordnung so zu erklären.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Selbstorganisation bezeichnet die Ausbildung oder Aufrechterhaltung einer Ordnung durch Wechselwirkungen innerhalb eines Systems, ohne dass eine zentrale Instanz jedes Detail vorgibt. Das bedeutet nicht, dass das System ohne äußere Bedingungen, Energiezufuhr oder Einschränkungen existiert. Im Emergenz-Kontext richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Übergang von lokalen Beziehungen zu übergreifenden Mustern. Welche Ordnung entsteht, hängt von Regeln, Rückkopplungen und Randbedingungen ab. Nicht jede überraschende Gesamtwirkung ist bereits Selbstorganisation; die Entstehungsweise muss nachvollziehbar beschrieben werden. Ebenso folgt aus selbstorganisierter Ordnung weder ein moralischer Vorzug noch zwangsläufig höhere Komplexität.

Denkbewegung

1. Systemgrenzen bestimmen. 2. Lokale Wechselwirkungen beschreiben. 3. Rückkopplungen verfolgen. 4. Globale Muster erfassen. 5. Alternative Steuerungsmodelle vergleichen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Modellvergleich kann testen, welche lokalen Regeln ein beobachtetes Muster tatsächlich erzeugen.

Beispiel

In einer Simulation passen Teilnehmende ihren Abstand nur an Nachbarn an; daraus können geordnete Bewegungsmuster entstehen.

Gegenbeispiel

Ein zentral vorgegebener Ablauf ist nicht allein deshalb selbstorganisiert, weil viele Beteiligte ihn ausführen.

Abgrenzung

Selbstorganisation von Zentralsteuerung, Zufall allein und Emergenz als weiterem Begriff unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff verbindet Entstehungsprozess und sichtbare Ordnung.

Resonanz

Ein Muster kann entstehen, ohne irgendwo als Gesamtplan vorzuliegen.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Selbstorganisation“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-004. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-004

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-004

Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Redaktioneller Lesestand: 2026-10-15. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.