ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-009 · ATLAS 259

Spirantisierung

Spirantisierung wird hier im engen Sinn eines Wandels oder einer Alternation verwendet, bei der ein Laut zum Frikativ wird, häufig ausgehend von einem Verschlusslaut: Der vollständige Verschluss wird durch eine Enge mit Reibungsgeräusch ersetzt.

Teil des Themenwegs Klang, Phonetik und Phonologie

Warum dieser Begriff im Atlas?

E · Exemplarischer Fall R3 · Begründeter exemplarischer Fall

Spirantisierung zeigt am Übergang zum Frikativ eine konkrete Veränderung der Artikulationsart. Der enge Prozess ist von allgemeiner Lenisierung und anderen Abschwächungen auseinanderzuhalten.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Spirantisierung wird hier im engen Sinn eines Wandels oder einer Alternation verwendet, bei der ein Laut zum Frikativ wird, häufig ausgehend von einem Verschlusslaut: Der vollständige Verschluss wird durch eine Enge mit Reibungsgeräusch ersetzt. In manchen Traditionen bezeichnet der Ausdruck auch Prozesse mit approximantischen oder anderen reibungslosen Ergebnissen; die konkrete Realisierung muss deshalb angegeben werden. Im Lenisierungs-Kontext ist Frikativierung ein möglicher Prozess, nicht die Definition sämtlicher Abschwächung. Lautumgebung, Sprechstil und sprachlicher Status müssen getrennt untersucht werden: Eine phonetische Variante ist nicht automatisch ein historischer Lautwandel oder ein neues Phonem. Auch die Bewertung als „schwach“ ergibt erst im jeweiligen Prozessmodell Sinn, nicht als allgemeines Urteil über die Qualität der Aussprache.

Denkbewegung

1. Ausgangslaut bestimmen. 2. Verschluss und Reibung vergleichen. 3. Umgebungen erfassen. 4. Variantenstatus prüfen. 5. Wandel und Alternation unterscheiden.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Akustische und historische Daten können Bedingungen der Frikativierung vergleichen.

Beispiel

Eine schematische Entwicklung [t] → [θ] ersetzt einen Verschluss durch eine frikative Enge; sie ist hier ein Prozessbeispiel, kein Beleg für eine bestimmte Sprache.

Gegenbeispiel

Ein Wechsel von [t] zu einem Tap wäre nicht allein dadurch Spirantisierung.

Abgrenzung

Spirantisierung von jeder Lenisierung, bloßer Stimmhaftwerdung und Tilgung unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff präzisiert eine bestimmte Veränderung der Artikulationsweise.

Resonanz

Aus einer Unterbrechung des Luftstroms wird ein hörbarer Durchgang.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Spirantisierung“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-009. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-009

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-009

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