ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-022 · ATLAS 259

Taxonomie

Eine Taxonomie ordnet Einheiten nach begründeten Klassen und Unterklassen.

Teil des Themenwegs Semantik und Zeichen

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Taxonomie ist nötig, um die Ordnung in Klassen und Unterklassen samt ihren Kriterien transparent zu halten. Ein Verzeichnis von Namen ohne begründete Klassenbeziehungen ist noch keine Taxonomie.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Eine Taxonomie ordnet Einheiten nach begründeten Klassen und Unterklassen. Im sprachwissenschaftlichen Herkunftskontext ist besonders die Beziehung zwischen Ober- und Unterbegriffen relevant: Eine Unterklasse zählt als eine Art der Oberklasse. Davon ist die Teil-Ganzes-Beziehung zu unterscheiden. Ein Rad ist Teil eines Fahrrads, aber keine Art von Fahrrad. Nicht jede baumförmige Darstellung ist deshalb eine Taxonomie im selben Sinn. Die gewählten Kriterien bestimmen, welche Einheiten zusammengehören und ob Mehrfachzuordnungen sinnvoll sind. Eine Klassifikation kann für einen Zweck nützlich sein, ohne damit eine endgültige natürliche Ordnung sämtlicher Gegenstände abzubilden.

Denkbewegung

1. Klassifikationszweck bestimmen. 2. Kriterien offenlegen. 3. Ober- und Unterklassen bilden. 4. Teilbeziehungen aussortieren. 5. Grenzfälle und Mehrfachzuordnungen prüfen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Lexikalische Datenbanken können verschiedene Relationstypen getrennt modellieren.

Beispiel

„Rose – Blume – Pflanze“ kann eine vereinfachte Begriffshierarchie bilden; „Blütenblatt – Blume“ beschreibt dagegen eine Teilbeziehung.

Gegenbeispiel

Eine organisatorische Zuständigkeitsgrafik ist nicht automatisch eine Artenklassifikation.

Abgrenzung

Taxonomie von Meronymie, bloßer Aufzählung und jeder beliebigen Hierarchie unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Taxonomien machen begründete Einschlussbeziehungen übersichtlich.

Resonanz

Ordnung entsteht auch dadurch, dass verschiedene Arten von Zugehörigkeit getrennt bleiben.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Taxonomie“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-022. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-022

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-022

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