ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-025 · ATLAS 259

Ton

Ton bezeichnet hier sprachlich kontrastive Tonhöhe oder Tonhöhenverläufe, die lexikalische oder grammatische Unterschiede mittragen.

Teil des Themenwegs Klang, Phonetik und Phonologie

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Ton ist nötig, um sprachlich kontrastive Tonhöhe von Satzmelodie und rein musikalischem Klang zu unterscheiden. Die sprachliche Lesart muss markiert und lexikalisch oder grammatisch belegt sein.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ton bezeichnet hier sprachlich kontrastive Tonhöhe oder Tonhöhenverläufe, die lexikalische oder grammatische Unterschiede mittragen. Gemeint ist nicht jeder akustische Ton und nicht jede Melodie eines vollständigen Satzes. Für die Analyse sind die tontragende Einheit, der Gegensatz zwischen Kategorien und mögliche kontextbedingte Veränderungen anzugeben. Absolute Frequenzwerte allein reichen nicht aus, weil Stimmumfang und Sprechsituation variieren. Der Zusammenhang mit Tonakzent wird je nach Sprache und Theorie unterschiedlich beschrieben. Deshalb sollte aus einer hervorgehobenen Silbe nicht ohne weitere Prüfung auf ein bestimmtes Ton- oder Akzentsystem geschlossen werden.

Denkbewegung

1. Tontragende Einheit bestimmen. 2. Kontrastierende Muster vergleichen. 3. Segmentale Umgebung kontrollieren. 4. Kontextvarianten erfassen. 5. Lexikalische und grammatische Funktion prüfen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Phonologische Untersuchung verbindet akustische Messung mit Bedeutungs- und Verteilungstests.

Beispiel

In einem schematischen Tonsystem können [má] und [mà] unterschiedliche Wörter markieren; das Beispiel zeigt den Kontrast, ohne reale Wortbedeutungen zu behaupten.

Gegenbeispiel

Eine lauter gesprochene Silbe besitzt nicht allein deshalb einen lexikalischen Hochton.

Abgrenzung

Ton von Lautstärke, Musikton, Satzintonation und pauschal gleichgesetztem Tonakzent unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Ton macht Tonhöhe als Bestandteil sprachlicher Unterscheidung sichtbar.

Resonanz

Eine Höhenbewegung kann ein anderes Wort eröffnen.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Ton“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-025. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-025

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-025

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