ATLAS DER SPRACHE

AT-NAV-G05-038 · ATLAS 259

Vokal

Ein Vokal ist ein Sprachlaut, dessen Bildung durch ein vergleichsweise offenes Ansatzrohr ohne den für bestimmte Konsonanten typischen Verschluss oder Reibungsengpass charakterisiert wird.

Teil des Themenwegs Klang, Phonetik und Phonologie

Warum dieser Begriff im Atlas?

G · Grundlagenbegriff R2 · Notwendige Grundlage

Vokal ist nötig, um offene Artikulation und vokalische Prozesse von konsonantischen Verengungen zu unterscheiden. Die Lautklasse darf nicht mit den Vokalbuchstaben einer bestimmten Schrift gleichgesetzt werden.

Farben und Aufnahmegründe

Die rechteckige Kennzeichnung benennt die Eintragsfunktion: F – sprachliche Figur oder Verfahren; A – Analysebegriff; G – Grundlagenbegriff; E – ausgewählter konkreter Fall. Die abgerundete Plakette benennt den Aufnahmegrund: R1 – eigener Erkenntnisbeitrag; R2 – notwendige Grundlage; R3 – begründeter exemplarischer Fall. Diese redaktionelle Begründung erklärt die heutige Auswahl, nicht eine nachträglich behauptete ursprüngliche Auswahlgeschichte.

Vertiefung

Ein Vokal ist ein Sprachlaut, dessen Bildung durch ein vergleichsweise offenes Ansatzrohr ohne den für bestimmte Konsonanten typischen Verschluss oder Reibungsengpass charakterisiert wird. Zur Beschreibung dienen unter anderem Zungenhöhe, Zungenlage und Lippenrundung. Diese artikulatorischen Dimensionen stehen mit akustischen Eigenschaften in Beziehung, sind aber nicht mit einzelnen Buchstaben gleichzusetzen. Im Diphthong- und Schwa-Kontext sind außerdem Lautqualität, Dauer und Silbenfunktion zu trennen. Vokale bilden häufig Silbenkerne; daraus folgt weder, dass jeder Silbenkern ein Vokal sein muss, noch dass jedes vokalische Element in jeder Analyse silbisch ist.

Denkbewegung

1. Laut statt Buchstabe bestimmen. 2. Artikulation beschreiben. 3. Akustische Hinweise prüfen. 4. Silbenfunktion erfassen. 5. Kontextvarianten vergleichen.

Wissenschaftlicher Anwendungsfall

Phonetik kann Vokalräume mit Artikulations- und Formantdaten untersuchen.

Beispiel

[i] und [u] unterscheiden sich unter anderem in Zungenlage und Lippenrundung; ein einzelner Buchstabe kann je nach Sprache unterschiedliche Vokale bezeichnen.

Gegenbeispiel

Ein silbischer Nasal zeigt, dass Silbenkern und Vokal nicht einfach identische Kategorien sind.

Abgrenzung

Vokal von Vokalbuchstabe, jedem Silbenkern und notwendig unveränderlicher Klangqualität unterscheiden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Der Begriff verbindet Lautbildung mit systematischer Differenzierung.

Resonanz

Eine offene Passage des Luftstroms kann viele unterscheidbare Klangräume bilden.

Provenienz

Parallel corpus 98f0950771ae4662f291d2f15f5c51b6797f3c20ba458a68615cdb177002ea18; case-bounded source review accepted; human specialist review not claimed.

Diesen Eintrag zitieren

Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Vokal“. Atlas der Sprache, AT-NAV-G05-038. ATLAS 259, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-038

https://atlasdersprache.de/begriff/AT-NAV-G05-038

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