ATLAS DER SPRACHE

AT-PRA-W0169 · ATLAS 250

Akkommodation

Aufnahme einer bislang nicht geteilten Voraussetzung in den Gesprächshintergrund, damit eine Äußerung sinnvoll verstanden werden kann.

Vertiefung

Äußerungen können etwas als bekannt voraussetzen, das vorher gar nicht zum Common Ground gehörte. Hörende können diese Information stillschweigend ergänzen, statt die Äußerung zurückzuweisen. Verständigung verändert dadurch rückwirkend ihren eigenen Boden.

Beispiel

Als Lea ihren Bruder abholte, war es spät. Auch ohne Vorwissen wird häufig aufgenommen, dass Lea einen Bruder hat.

Gegenbeispiel

Wenn beide bereits wissen, dass Lea einen Bruder hat, wird nichts neu akkommodiert; die Voraussetzung ist schon geteilt.

Abgrenzung

Nicht mit Zustimmung verwechseln: Eine Voraussetzung kann für das Verstehen aufgenommen werden, ohne dass ihr inhaltlich zugestimmt wird.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Akkommodation zeigt, wie leicht sprachliche Formen neue Annahmen als scheinbar gegeben in einen gemeinsamen Horizont einschleusen.

Resonanz

Ein Satz verändert den Raum, in dem er verstanden werden will, noch während er darin erklingt.

Etymologie

lat. accommodare: anpassen, passend machen

Provenienz

Kandidatenbank K-0169 → ATLAS_035; keine

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Akkommodation“. Atlas der Sprache, AT-PRA-W0169. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-PRA-W0169

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