Vertiefung
Schematismus setzt einen Druck voraus, der direkte Rede unerwünscht, gefährlich oder unhöflich macht. Die Äußerung erhält deshalb eine Form, die anders verstanden werden kann, den adressierten Hintersinn aber erreichbar hält. Das Verfahren kann Schutzraum schaffen, zugleich jedoch Verantwortlichkeit verwischen und Außenstehende ausschließen.
Beispiel
Unter einer Zensurregel schreibt jemand nicht, wie die Reise erfolgt, sondern kündigt die Ankunft mit dem ›Puff-Puff‹ an.
Gegenbeispiel
Der Zug kommt am Abend. – Es besteht weder ein Umweg noch eine codierte Verhüllung.
Wirkung auf Denken und Wahrnehmung
Macht Kommunikation trotz sozialer oder politischer Beschränkung möglich und schärft Wahrnehmung für Macht, Publikum und abgestufte Zugänglichkeit.
Resonanz
Eine Aussage nimmt einen gekrümmten Weg um ein Hindernis; wer den Code kennt, hört hinter der sichtbaren Bahn die direkte Richtung mit.
Etymologie
griechisch schēmatismós · Formung, figurierte Gestaltung
Provenienz
Klassische Rhetorik → historische Handbücher und Primärtexte → Funktionsabgrenzung → ATLAS_206
Diesen Eintrag zitieren
Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Schematismus“. Atlas der Sprache, AT-RHE-206-006. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-206-006Die Adresse bleibt stabil; der Inhalt kann redaktionell fortgeschrieben werden. Ein verifiziertes Änderungsdatum pro Eintrag liegt noch nicht vor. Für genaue Nachweise zusätzlich das Abrufdatum angeben.