ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-206-005 · ATLAS 250

Noema

Äußerung, deren beabsichtigter Sinn nicht wörtlich ausgesprochen wird, sondern aus einer dunklen, geistreichen oder subtilen Gesamtform erschlossen werden muss.

Vertiefung

Beim Noema liegt die indirekte Bedeutung nicht in einem einzelnen übertragenen Wort, sondern im ganzen Ausspruch. Puttenham nennt dies close conceit; Quintilian beschreibt Dinge, die verstanden werden sollen, obwohl sie nicht gesagt sind. Das Profil bezeichnet daher einen erschließbaren Hintersinn, nicht beliebige Unverständlichkeit.

Beispiel

Ihre Definition ist bemerkenswert frei von jeder Quelle. – Gemeint ist: Die Definition ist unbelegt.

Gegenbeispiel

Die Definition ist unbelegt. – Der Sinn wird direkt ausgesprochen und muss nicht hinter der Äußerungsoberfläche erschlossen werden.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Aktiviert Schlussbildung und Aufmerksamkeit für den Abstand zwischen Gesagtem und Gemeintem; zugleich erhöht es das Risiko des Missverstehens.

Resonanz

Der ausgesprochene Satz bildet eine Vorderfläche; dahinter antwortet ein zweiter Sinn, sobald die Hörenden die Beziehung herstellen.

Etymologie

griechisch nóēma · Gedanke, Vorstellung, das Gedachte

Provenienz

Klassische Rhetorik → historische Handbücher und Primärtexte → Funktionsabgrenzung → ATLAS_206

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Noema“. Atlas der Sprache, AT-RHE-206-005. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-206-005

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