ATLAS DER SPRACHE

AT-RHE-209-002 · ATLAS 250

Martyria

Bestätigung einer Aussage durch Berufung auf die eigene Wahrnehmung oder Erfahrung.

Vertiefung

Martyria macht die sprechende Person selbst zur Quelle: Nicht ein fremdes Beispiel, sondern das eigene Sehen, Hören oder Erleben soll eine Behauptung beglaubigen. Das kann Nähe und Verantwortlichkeit erzeugen, begrenzt die Geltung aber zugleich auf Perspektive, Erinnerung und Vertrauenswürdigkeit des Zeugen.

Beispiel

Ich hielt die Unterscheidung für belanglos, bis ich sah, wie zwei Leser an ihr zu entgegengesetzten Wegen gelangten.

Gegenbeispiel

Zwei Leser gelangten zu entgegengesetzten Wegen. – Die Feststellung weist die Erfahrung keiner bezeugenden Person zu.

Wirkung auf Denken und Wahrnehmung

Bindet Geltung an Zeugenschaft und macht zugleich sichtbar, dass Unmittelbarkeit eine perspektivische Form von Evidenz ist.

Resonanz

Erlebtes wird nicht nur erinnert, sondern als persönliche Bürgschaft in den gemeinsamen Denkraum gestellt.

Etymologie

griechisch martyría · Zeugnis, Beweis; lateinisch testatio · Bezeugung

Provenienz

Klassische Beispiel- und Lehrfiguren → Primärtext und Handbuchvergleich → Funktionsabgrenzung → ATLAS_209

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Reich, Michael (Hrsg./ed.): „Martyria“. Atlas der Sprache, AT-RHE-209-002. ATLAS 250, Datenmodell 1.6.0. https://atlasdersprache.de/begriff/AT-RHE-209-002

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